Wenn man die letzte EM gesehen hat, wird der geneigte Zuseher schnell festgestellt haben, dass unsere Mannschaften zu großen Teilen nur mehr aus Legionären besteht. Nun hat aber ein Jugendspieler von Lazio Rom, der 18-jährige Filippo Cardelli, aufgezeigt, dass das Problem schon viel tiefer sitzt und sich deshalb aus dem Fußball in Europa zurückgezogen und stattdessen zu einem US-College wechseln wird. Seinen Wechsel begründet er auf Facebook wie folgt:

„Nach 10 Jahren voller Entbehrungen lasse ich den Fußball hinter mir. (...) Ich lasse ihn hinter mir, weil das ehrlich gesagt nicht mehr der Sport ist, in den ich mich als Kind verliebt habe. Ich sehe keinen Sinn darin, für Lazio Primavera zu spielen und von Ausländern umgeben zu sein. Und nicht nur das: dazu auch noch wie Scheiße behandelt zu werden, nach all den Opfern, die ich gebracht habe. Solange es nur darum geht, auf ein Studium, auf die Freunde, auf Mädchen zu verzichten, kann ich das akzeptieren, weil ich einen Traum habe und dieser Traum vorgeht. Aber wenn du dir anhören musst, dass dein Verein die Behandlungskosten vielleicht nicht übernimmt, weil du keinen Vertrag hast, (...), wenn du nicht ins Fitnessstudio kannst, weil du keinen Vertrag hast, wenn sie dir deine medizinische Tauglichkeitsprüfung nicht bezahlen, weil du keinen Vertrag hast, hast du die Schnauze voll. Und die Ausländer haben natürlich einen Vertrag und verdienen auch noch viel... Ich habe nie des Geldes wegen Fußball gespielt, sondern wegen der Freude, als Teil einer Gruppe von Freunden für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. (...). Die Serie A ist voll mit Ausländern, der italienische Fußball ist tot. Und ehrlich gesagt, wenn ich schon wie ein Ausländer im eigenen Land behandelt werde, dann ziehe ich es vor, gleich ins Ausland zu gehen".

 

[Text: W.-R. M.; Bild: Andrea 93/wikimedia.org]