Die Berichterstattung rund um das Referendum in der Türkei zeigt einmal mehr die Qualität und die Doppelmoral des österreichischen Rundfunks auf: Denn auf der einen Seite greift man klar Erdogan als Autokraten an, aber über die Meinung, dass der EU-Beitritt für die Türkei nun endgültig vom Tisch sei, ist man auch nicht glücklich im „Rotfunk“ und relativiert sie jedesmal mit dem Nachsatz, dass ja nur knapp über 50 Prozent der Türken einen Despoten als Präsident wollen.

Aber nicht nur der Eiertanz rund um die Türkei lässt einen schmunzeln, denn auch die die Bewertung des Ergebnisses zeigt auf, wie der ORF und seine Moderatoren mit zweierlei Maß messen: Waren für den österreichischen Rundfunk vor wenigen Monaten 53,8 Prozent noch ein klares Votum für Van der Bellen und ein mehr als demokratisch legitimiertes Ergebnis, hat sich hier nun die Sicht des ORF gewandelt. Im Mittagsjournal auf Ö1 vom 18. April wird, im vom Fabio Polly gestalteten Beitrag davon gesprochen, dass 51,8 Prozent keine „demokratische Legitimation“ darstellen. (O-Ton: „Erdogan wird unerbittlich, und auch wenn seine Machtkonzentrationswünsche mit dem knappen Ergebnis der Volksabstimmung nicht wirklich demokratisch legitimiert sind, geht er unerbitterlich seinen Weg.“ Klicke Sie hier um den Ausschnitt zu hören)

Aber auch der ORF-Moderator Armin Wolf sorgte für Kopfschütteln auf Twitter. Denn wurden vor etwas weniger als einem Jahr all jene, welche bei der Präsidentschaftswahl von Unregelmäßigkeiten und Manipulation sprachen noch von offizieller Seite verlacht, kommentiert der „ORF-Anchorman“ das Ergebnis in der Türkei nun wie folgt: „Mit so viel Propagande u. mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten nur 51,3 %? Wie wäre das wohl unter fairen Bedingungen ausgegangen?“ – der Kommentar Wolfs hätte auch zur Präsidentschaftswahl in Österreich gepasst, war aber hier wohl nicht im Sinne des Rotfunks…

 

[Text: W-R. M. Bild: Screenshot Twitter Vorschaubild: Thomas Ledl www.wikipedia.org Ton: Mitschnitt Ö1 "Mittagsjournal"]