In Afghanistan wurde ein 60-jähriger islamischer Geistlicher verhaftet, nachdem er ein sechsjähriges Mädchen geheiratet hatte. Wie Radio Free Europe berichtete, ereignete sich der Vorfall in einem Dorf in der Provinz Ghor in Zentral-Afghanistan. Der offenbar Perverse mit dem Namen Mohammad Karim rechtfertigte sich damit, das Kind sei ihm von den Eltern als „Geschenk“ gegeben worden und die Eltern seien sich bewusst gewesen, dass er das Mädchen heiraten würde.

„Das Mädchen wurde mir als Geschenk gegeben und wir heirateten, damit ich sie großziehen kann. Nachdem mir die Eltern ihre Tochter gaben, sagten sie zu mir, du kannst mit ihr machen was immer du willst“, wird Karim von Radio Free Europe zitiert. Die „Hochzeit“ soll während des Ramadan in Anwesenheit von 30 bis 40 Personen stattgefunden haben.

Anderer Ansicht ist jedoch Mohammad Zeman Azami, der stellvertretende Polizeikommandant der Provinz Ghor. Er sagt, die Polizei habe mit den Eltern des bedauernswerten Mädchens gesprochen und diese wiesen den Vorwurf, sie wären bei der Hochzeit anwesend gewesen, entschieden zurück. Vielmehr erklärten die Eltern, dass ihre Tochter von dem islamischen Geistlichen entführt worden sei. Diese Version deckt sich auch mit dem Verhalten des schwer traumatisierten Opfers: „Das Mädchen spricht nicht und wiederholt ständig nur einen Satz: ‚Ich habe Angst vor diesem Mann‘“, sagte Masoom Anwari von der Abteilung für Frauenangelegenheiten in Ghor.

An sich liegt in Afghanistan das gesetzliche Mindestalter für Eheschließungen bei Mädchen bei 16 Jahren. Bei jüngeren Mädchen ist aber dennoch eine Eheschließung möglich, wenn der Vater zustimmt. Das kommt durchaus häufig vor, weil gerade ärmere Familien eine Tochter als „wirtschaftliche Last betrachten, die so schnell verheiratet werden muss, um die finanzielle Last zu reduzieren“, heißt es in einem Bericht des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF.

 

[Text: B. T.; Bild: Staff Sgt. Andrew Smith (U.S Army Photographer)]