Das größte ganzjährig bespielbare Veranstaltungszentrum Österreichs feierte dieser Tage sein 60-jähriges Bestehen. Passend zu der heute noch beeindruckenden physischen Monstranz fielen auch die Feierlichkeiten zu diesem Anlass entsprechend groß dimensioniert aus. Die Stadthalle weiß tatsächlich durch nackte Zahlen zu beeindrucken: Die Gesamtfläche umfasst insgesamt knapp 29.000 Quadratmeter, aufgeteilt in mehrere, bei Bedarf parallel bespielbare Hallen, wovon alleine die größte und bekannteste, die Halle D, knapp 16.000 Personen Platz bietet und deren Dach schon eine Fläche von 10.000 Quadratmeter fasst. Seit der Eröffnung im Jahre 1958 wurden über 65 Millionen Besucher gezählt, pro Jahr finden über 300 Veranstaltungen statt, die ein breites Spektrum abdecken: Opern, Konzerte, Sportereignisse, Präsentationen, Musicals, Kongresse oder Fernsehshows – es gibt fast nichts, dass in der Stadthalle nicht schon Platz gefunden hätte.

Die Liste der weltweiten Stars, die hier bereits einen Auftritt absolviert haben, liest sich daher mitunter wie ein Who-is-Who der internationalen Szene: Eric Clapton, Bob Dylan, Prince, ABBA, die Rolling Stones, Led Zeppelin und viele mehr… Auch einheimische Größen wie Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros oder Georg Danzer wussten die Halle zu schätzen, für enormen Andrang sorgte auch Falco im Jahre 1986. Kontinuität schaffen auch traditionsreiche Veranstaltungen wie „Holiday on Ice“, welches 1943 in den USA uraufgeführt wurde und seither weltweit präsentiert wird – auch regelmäßig in der Wiener Stadthalle. Die laut Aussagen des Stadthallen-Managements größte Herausforderung war jedoch die Organisation des Eurovision Song Contests 2015, was auch den hohen gestellten Anforderungen seitens des ORF an potenzielle Spielstätten geschuldet war: eine Mindestkapazität von 10.000 Zuschauern, sie müsse bereits sechs Wochen vor dem Wettbewerb zur Verfügung stehen, eine minimale Deckenhöhe von 15 Metern und ein angemessenes Pressezentrum für etwa 1.500 Reporter in der Nähe haben sowie Platz für die Sponsoren und ihre etwa 1.000 Gäste bieten.

Zum 60-jährigen Jubiläum, welches am 21. Juni mit einem aufwendigen Konzert (inklusive 70-köpfigen Orchester) gefeiert wurde, war man bemüht, die heimische Musikszene in den Fokus der medialen Öffentlichkeit zu rücken: EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger, Steinbäcker & Schiffkowitz (zwei der drei Mitglieder von STS), bereits erwähnter Wolfang Ambros und Wanda traten ebenso auf wie Marianne Mendt, die sichtlich angestrengt ihren Ohrwurm „A Glock’n“ zum Besten gab. Pflichtbewusst räumte man der Political Correctness, die man in bereits erahnter Form in physischer Gestalt wähnte, ebenso einen Ehrenplatz ein: Conchita (vormals mit dem Zusatz „Wurst“, vormals bürgerlich Thomas Neuwirth) entkräftete präventiv eventuelle Vorwürfe, die Stadthalle wäre zu einer bourgeoisen Bühne sexuell verklemmter, heteronormativer und sich des eigenen Geschlechts bewusster Individuen verkommen.

[Text: M.S.; Bild: Facebook/Wiener Stadthalle]