Viele werden es sich nicht angetan haben. Die unappetitliche Schlammschlacht zwischen Bundeskanzler Kern und Außenminister Kurz im Wahlduell auf dem Privatfernsehsender Puls 4 regte bereits nach wenigen Minuten zum Ausschalten an. Zu untergriffig, zu hasserfüllt war die Auseinandersetzung zwischen den immer noch Koalitionspartnern.

Wie zu erwarten gewesen war, dominierte die Schmutzkübelkampagne des SPÖ-Werbers Tal Silberstein und die in weiterer Folge zutage getretenen Fouls der Liste Kurz das Gezänk der beiden Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP. Trotzdem beide Parteien mittlerweile die Gerichte gegen die jeweils andere bemühen, versuchten sowohl Kurz als auch Kern sich gegenseitig herunterzumachen und als unredlich darzustellen.

Interessant und neu in diesem Zusammenhang war die Schelte Kerns gegen die Medien. Diese würden stets eifrig „apportieren“, wenn Kurz ein Holz werfe und damit würde es diesem gelingen, immer wieder die „Mär“ von seinen „Verdiensten“ bei der Schließung der Balkanroute zu schüren. Dies sei allerdings nicht zutreffend, die Stellung von Kurz auf europäischer Ebene sei „untergeordnet und bedeutungslos“.

Noch interessanter ist allerdings die Reaktion der ORF-Redaktion, die die Kern- Ohrfeige offensichtlich nicht verstanden hat. Diese bemühte sich im heutigen Morgenjournal noch um Täter-Opfer-Umkehr.

Bei seiner Analyse hatte der Politikwissenschaftler Filzmeier auf die Frage, wer wohl durch die aufgedeckten „Dirty Campaigning“-Aktivitäten bei den Wählern am meisten verlieren würde, geantwortet, dass dies zweifelsohne Christian Kern und die SPÖ wäre. Daraus folgerte dann der eifrige ORF-Redakteur in seiner Zusammenfassung, dass der größte Leidtragende Christian Kern wäre.

Soviel zum Thema des immer wieder beschworenen „Qualitätsjournalismus“.

 

[Text: W. T.; Bild: SPÖ/ÖVP]