Das Oberste Ägyptische Verfassungsgericht hat eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen: Koptische Christen sollen in Bezug auf Pilgerreisen künftig dieselben Rechte haben wie Moslems, die auf die Hadsch gehen. Konkret entschied das Höchstgericht, dass bestimmte Artikel des Arbeitsgesetzes, die bezahlten Urlaub für Pilgerfahrten nur Moslems gewähren, verfassungswidrig sind. „Das Urteil ist ein wichtiger Schritt, damit die ägyptischen Christen die vollen Bürgerrechte bekommen“, sagte der Rechtsanwalt Naguib Gobrail, der vor dem Obersten Verfassungsgericht den dreijährigen Prozess geführt hatte, der Zeitung „Ahram“.

Bei den koptischen Christen Ägyptens, die rund zehn Prozent der Einwohner des Landes am Nil stellen, hatte lange Zeit eine Pilgerreise nach Jerusalem Tradition. Allerdings verbot der Heilige Synod im Jahr 1980 den Kopten, die heiligen Stätten in Jerusalem zu besuchen. Der damalige Papst begründete das Verbot mit dem Protest gegen die israelische Besetzung Ostjerusalems und des Westjordanlandes. Gobrail zufolge richtete sich die Untersagung von Pilgerreisen nach Jerusalem auch gegen die Normalisierung der Beziehungen zwischen Ägypten und Israel.

Obwohl die Diskriminierung der Kopten bei Pilgerfahrten nun vom Obersten Verfassungsgericht untersagt wurde, ist dennoch fraglich, ob ein Pilger-Massentourismus in Richtung Jerusalem einsetzen wird. Denn einerseits will der koptische Papst Tawadros II. das Verbot erst dann aufheben, wenn Jerusalem befreit ist. Andererseits hält die koptische Kirchenführung ihre Gläubigen, wie der koptische Aktivist Nader Shokry „Daily News Egypt“ sagte, nicht zwangsweise von Reisen nach Jerusalem ab sondern betrachtet das Verbot als „Traditionen, der alle koptischen Bürger moralisch folgen sollten“.

 

[Text: B. T.; Bild: Sherif9282/wikimedia.org]