Ironische oder zweideutige Scherze, die angeblich als sexistisch interpretiert werden können, sind heutzutage völlig unmöglich geworden. Jüngstes Beispiel dafür ist der Ausschluss des von den Grünen zur Kurz-ÖVP gewechselten Efgani Dönmez aus dem türkisen Parlamentsklub. Bekanntlich hatte Dönmez auf Twitter geschrieben, man möge sich die Knie der Berliner SPD-Staatssekretärin Sawsan Chebli, dann wisse man, wie sie in ihr Amt gekommen sei. Diese Aussage wurde allgemein als „Sexismus“ verstanden: Von „blowjob knees“ zu schreiben, wagte man allerdings nur beim „Standard“, während es die empörten Feministinnen quer durch die österreichischen Printmedien offenbar nicht wagten, das Kind beim Namen anzusprechen.

Der Schelm ist, wie er denkt, heißt es in einem guten alten deutschen Sprichwort. Wenn man das Ganze nicht gleich übersexualisiert interpretiert, würde man wohl eher meinen, dass die Knie der betreffenden Dame von allzu kniefälliger Unterwürfigkeit gegenüber den Granden der eigenen Partei abgewetzt wären.

Aber wie gesagt: Schlüpfrige Zweideutigkeiten sind in dem politisch korrekten und spaßfreien Meinungsklima unserer Tage nicht mehr möglich. Die Empörung, die Rücktrittsforderungen und die allgemeine Verdammung sind dem betreffenden Wortspender sicher. Das scheint nunmehr auch in der neuen österreichischen Mitterechtsregierung festzustehen.

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia/Manfred Werner - Tsui; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported]