Während vormalige Linksextremisten, Maoisten, Trotzkisten und Unterstützer des gewalttätigen Schwarzen Blocks hierzulande völlig unbeschadet Karriere machen dürfen, wird bei FP-nahen Anwärtern für exponierte Positionen ein Höchstmaß an politischer Korrektheit verlangt. Der überführte Sexist und mutmaßliche Grapscher Peter Pilz ist nach kurzer politischer Nachdenkpause längst wieder medial gefragter Stichwortgeber bei parlamentarischen Untersuchungsausschüssen. Und natürlich hat auch sein vormaliger Parteifreund, der Bundespräsident, keinerlei mahnende Worte für solche Personen übrig. 

Ein FPÖ-naher Jurist aber, der sich dieser Tage für die Position eines Richters am Verwaltungsgericht beworben hatte, wird einer medialen Hexenjagd ausgesetzt, nur weil er sich vor weit mehr als einem Jahrzehnt kritisch zur Seligsprechung des Wehrmachts-Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter geäußert hat. Und obwohl der betreffende Hubert Keyl nach Auskunft aller Prüfungsinstanzen, die keineswegs freiheitlich orientiert sind, der fachlich weitaus Bestgereihte war, hat sogar der zunehmend allzu sehr einseitig und parteiisch agierende Herr in der Hofburg signalisiert, dass er dieser Ernennung keineswegs zustimmen würde.

Keyl hat also seine Bewerbung zurückgezogen und einmal mehr stehen wir vor der Tatsache, dass der politisch korrekte Tugendterror trotz der neuen Mitte-Rechts-Regierung problemlos in der Lage ist, unbescholtene Bürger von Funktionen und Ämtern auszuschließen, nur weil diese irgendwann einmal in der Vergangenheit geglaubt haben, ihr verfassungsmäßig verbürgtes Recht auf freie Meinungsäußerung auch tatsächlich zu nutzen dürfen.

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia/Sziklai; Lizenz: gemeinfrei]