Zu Zeiten der BRICS-Euphorie wurde auch Afrika zur großen Zukunftshoffnung hochgejubelt. Wir erinnern uns: Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika sollten die Zukunftsmärkte der Welt sein. Afrika allein erzielte 6,5 Prozent Jahreswachstum in der Rohstoffhause vor dem Subprime-Zusammenbruch und der Bankenkrise. Explodierende Immobilienpreise in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, Luxuskarrossen vor den Slums der Großstädte, die neuen Mittelschichten in Nairobi und Lagos, der chinesische Investitionsboom, der den örtlichen Machthabern neue Sportarenen, Flugplätze und Luxushotels bescherte, waren die Zeichen der Zeit. Vor allem die gesunkenen Öl- und Rohstoffpreise machen jetzt den Erzeugerländern zu schaffen. Denn ähnlich wie in Russland und Brasilien amüsierten sich die Eliten an ihrem mühelos erworbenen Reichtum und dachten nicht daran, die einheimische Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung zu stärken.

Das Bild ist uneinheitlich geworden. Das kontinentale Wachstum liegt derzeit bei 3,7 Prozent, entspricht also grob dem Bevölkerungszuwachs, der zwischen 2,6 Prozent in Sierra Leone und 4,4 Prozent im Südsudan schwankt. Er bringt also keine Wohlstandsgewinne. Die demografische Zeitbombe läuft ungebremst. Von 480 Millionen Afrikanern (1980) wuchs die Bevölkerung auf derzeit 1,2 Milliarden, wird nach vorsichtigen UNO Schätzungen auf 2,5 Milliarden im Jahr 2050 steigen, davon 400 Millionen allein in Nigeria, und schließlich, aber nicht endlich, auf 4,4 Milliarden im Jahr 2100. Was dies für ein Land bedeutet, zeigt das Sahelland Niger mit einem Durchschnittseinkommen von einem Dollar und 20 Millionen Einwohner. Bei einer seit Jahrzehnten unerschütterlichen Zahl von sieben Kindern pro Frau wird es im Jahr 2100 210 Millionen Einwohner haben, von denen es vielleicht zehn Millionen vernünftig ernähren kann. Von Familienplanung hält man nichts, weder bei den politischen Eliten noch beim Mann auf der Straße. Südafrikas Präsident, der bekennende Polygamist Jacob Zuma, hat offiziell allein zwanzig Kinder.

Afrika ist bekanntlich voller Potential und könnte reich sein.

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[Bild: Vladimir Lysenko (I.)/wikimedia.org]