Rot eingekreist und mit Hammer und Sichel verziert ist auch heuer wieder der Tag des Wiener Akademikerballs in vielen linken Terminplanern. Es ist ein Fixpunkt im angeblich so wichtigen Kampf gegen Rechts, bei dem es in den letzten Jahren immer wieder zu teils heftigen Ausschreitungen auf Seite der „friedlichen“ linken Demonstranten gekommen ist. Ob auch heuer wieder vermummte Chaoten ihren blanken Zorn in rohe Gewalt übergehen lassen und für Zerstörung sorgen, wird sich am Freitagabend zeigen.

Erstaunlich ist im Vorfeld jedoch die Meldung, dass zwei der drei angekündigten Demos offenbar gar nicht stattfinden werden. Die Frage des „Wieso“ drängt sich postwendend auf, zumal das linke Publikum für seine Krawall-Affinität bekannt ist. Viele Chaoten haben sich erhofft, durch den grünen Bundespräsidenten einen antifaschistischen Kämpfer an vorderster Front zu gewinnen. Die erstaunlich desinteressierte Aussage von Van der Bellen, sich am Akademikerball eigentlich nicht groß zu stoßen, hat die Hoffnungen der linken Quälgeister schlichtweg zerstört.

Es mag auch mit der Ankündigung der Polizei zu tun haben, heuer erstmals großflächig Videokameras einzusetzen und die Aufnahmen auf YouTube zu veröffentlichen. Live-Berichte der Exekutive werden auf Twitter und Facebook gepostet. Möglicherweise sind die ach so „mutigen“ vermummten Schlägertypen einfach zu feige geworden, um die Nachfolge des verurteilten linken Genossen Josef im Häfen anzutreten.

Verwunderlich ist heuer der seltsam milde Ton rund um die sonst so aktiven Anti-einfach-alles-Retter der Nation. Wurde vor einigen Jahren von Studentenvertretungen noch aktiv ein „linksradikales Bündnis“ beworben, so gibt es heuer nur mehr an Fasching erinnernde Kleidungswünsche: „Alles, was bunt und nicht braun ist“. Tritt der schwarze Block heuer gar patriotisch rot-weiß-rot verhüllt in Erscheinung?

Innenminister Sobotka verkündete unterdessen ein weiteres ungünstiges Omen für die Berufs-Querulanten. Sein Vorschlag umfasst eine Einschränkung des Demonstrationsrechts, um das Überangebot an Kundgebungen zu minimieren. Allein den Grünen passt dieser Plan gar nicht. Verständlich, inszenierten sie sich des Öfteren als Bollwerk einer gelebten Demonstrationskultur, ohne Rücksicht auf die Interessen der breiten Masse.

 

[Text: A. BL.; Bild: Haeferl/wikimedia.org]