Spätestens, als die renommierte New York Times eine Infographik veröffentlichte, die aufzeigte, wie stark sich der Abstand zur libyschen Küste während der Einsätze europäischer NGOs zur sogenannten Flüchtlingsrettung verringert hat, muss klargeworden sein, dass es sich hierbei offensichtlich um eine vielleicht nicht mutwillige, aber faktische Kooperation mit der nordafrikanischen Schleppermafia handeln muss. Eine Handvoll Aktivisten der Identitären Bewegung nahmen sich im Frühling daher vor, den Non Governmental Organisations ein wenig auf die Finger zu schauen. Ende August beendeten sie die Mission „Defend Europe“ als einen großen Erfolg. Unabhängig von staatlicher Finanzierung wurde somit ein Betrag von über 200.000 Euro per Crowdfunding gesammelt, ein Schiff gechartert, eine Besatzung angeheuert und man könnte nun denken, ein Dutzend junger Idealisten sei somit zu einer Beobachtungsmission ins Mittelmeer aufgebrochen. Doch weit gefehlt – noch vor Beginn der Mission bauten sich Hürden auf, die aufzeigten, dass man sich mit einem zu mächtigen Gegner angelegt haben muss.

Es ist üblich, dass Schiffe von verschiedenen Unternehmen, Vereinen oder Ausbildungseinrichtungen für einen gewissen Zeitraum gechartert werden. Bevor „Defend Europe“ beginnen sollte, befanden sich zwanzig Auszubildende aus Sri Lanka an Bord, die im Rahmen einer Lehre zum Vollmatrosen erste Seemeilen sammeln wollten, das Rote Meer durchkreuzten und in Ägypten von Bord gehen sollten, bevor die „C-Star“ ihren Weg durch den Suezkanal ins Mittelmeer antreten sollte. Im Morgengrauen im August jedoch kamen drei Kanonenboote des Militärs längsseits, ein bewaffnetes Boarding Team stürmte das Schiff und verhörte die Offiziere – auf ihre ganz eigene Art. Der Vorwurf lautete, Waffen zu schmuggeln und ukrainische Söldner nach Nordafrika zu bringen. Nach elf Stunden Verhör, einer komplett demolierten Inneneinrichtung und diversen Diebstählen wurde die teils verängstigte, teils verstörte Besatzung ohne bekräftigte Vorwürfe wieder freigelassen.

 

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[Bild: ZZ-Archiv]