Wahrscheinlich ist Alexander Van der Bellen ein äußerst tiefgründiger Mann. Allerdings versteckt er seine Tiefgründigkeit offenbar mit Bravour an der Oberfläche. Für die breite Öffentlichkeit nämlich scheint er gerne und oft unter sein Niveau zu gehen – einerseits aus einer falschen Bescheidenheit heraus, andererseits vermutlich aus Gründen des Alters, das ihn so manche Botschaft gerne und oft wiederholen lässt. Oder steckt etwa Kalkül dahinter?

Doch wovon ist eigentlich die Rede? Die Rede ist von der Rede. Genauer gesagt von den Reden.

Nicht etwa von den Reden zu Kulturveranstaltungen oder wichtigen Ereignissen. Nein, bloß von den Eröffnungsreden zu den Bregenzer und Salzburger Festspielen, die sich allesamt in einem Thema erschöpfen: Europa.

Aber gut, nach einem harten Arbeitstag zwischen Schreibtisch und Raucherkammer kann es schon vorkommen, dass man versehentlich ein vergilbtes Manuskript von einem grünen Parteitag der Jahrtausendwende aus der Schublade zieht. Merkwürdigerweise allerdings greift er wohl stets zum selben Papier, denn die Botschaften widerholen sich gebetsmühlenartig.

Oder kennt jemand eine Rede unseres guten Herrn Van der Bellen, die nicht unter dem Motto „Europa“ steht? Die nicht vor Nationalismen und „Zwergstaaterei“ warnt? Die nicht die Errungenschaften der EU – Stichwort: Glühbirnen, Gurkenkrümmung, Bleigießen – in den Himmel rühmt? Die nicht davor warnt, in jene dunkle Sumpflandschaft zurückzurudern, die wir gottlob 1995 überwinden durften?

Ach, es wäre zu spannend zu erfahren, was unser Herr Bundespräsident wohl seinem Trafikanten zuraunt, während der ihm die übliche Tagesration an Zigarettenstangen über den Tresen schiebt? Oder der Aufdruck seiner Flanelldecke, in die er sich allabendlich einwickelt? Blauer Hintergrund mit gelben Sternchen? Oder das Morgengebet, sollte ihm gerade nicht nach Atheismus sein: „Euro unser, der du bist in Brüssel. Dein Reich komme, dein Wille geschehe"?

Oder aber die Aufschrift am Grabstein seines verblichenen Hündchens: „Hier ruht ein glühender Europäer“?

Besorgniserregend. Aber bei den Salzburger Festspielen … eigentlich gleichgültig.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Manfred Werner (Tsui); Lizenz: CC BY-SA 4.0]