„Wie irritiert, ja ablehnend gerade auch Naturschützer reagieren, wenn sich die Natur in eine Richtung entwickelt, die ihnen nicht gefällt, zeigte sich beispielhaft in den Neuzigerjahren, als durch ökologische Forschung deutlich wurde, dass immer mehr Tier- und Pflanzenarten sich in den Städten ansiedeln. Der Erste, der diese Entwicklung einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat, war der Zoologe Josef H. Reichholf (…).Er konnte mit gut abgesicherten Zahlen aufwarten. Je größer ein Ort, desto größer ist der Reichtum an Vogelarten. Während in Dörfern oft nur drei Dutzend Arten gezählt werden, kommt eine mittlere Stadt wie Passau schon auf das Doppelte und Berlin auf das Vierfache: 141 Vogelarten im Stadtgebiet, mehr als die Hälfte aller in Deutschland brütenden Arten. Diese Vielfalt ist damit größer als in den ökologisch wertvollsten Naturschutzgebieten Deutschlands. Und das gilt nicht nur für Vögel, sondern auch für andere Tierklassen und Pflanzen.“

„Alles grün und gut? Eine Bilanz des ökologischen Denkens“ von Dirk Maxeiner und Michael Miersch ist ein interessantes Werk zur, in unserer Gesellschaft weitverbeiteten Meinung, dass alles natürliche gut ist und alles künstliche – also vom Menschen geschaffen – böse ist.

Die Autoren untermalen die verschiedensten „Ökolegenden“ mit anschaulichen Beispielen, Zahlen und Fakten. Auch kann man ihnen Parteilichkeit bzw. Voreingenommenheit nicht vorwerfen, da beide ursprünglich aus dem so genannten grün-alternativen Milieu kommen und in den 80er Jahren als leitende Redakteure für das „natur“-Magazin, damals das größte Umweltmagazin Europas, schrieben.

 

W.-R. M.

 

 

(Bild: Knaus Verlag)