Vor über 200 Jahren brachte Goethe diese Zeilen zu Papier. Das war allerdings vor den zahlreichen Sündenfällen des selbsternannten Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Das war vor der Verschleppung und Versklavung zehntausender junger Afrikaner und auch vor der Ermordung von Millionen Angehöriger der indigenen Bevölkerung, die wir (nach wie vor) durchaus auch als Indianer bezeichnen dürfen. Längst hat dieses Land seine politische Unschuld verloren, nimmt sich aber immer noch heraus, anderen Ländern und Völkern gegenüber den moralischen Zeigefinger zu erheben.

Seit dem 9. November 2016 hat sich da offenbar etwas Wesentliches geändert. Denn allen Voraussagen zum Trotz ist nicht die sogenannte logische Nachfolgerin, das Liebkind des Establishments, zur Präsidentin gewählt worden, sondern jener Mann, den gewisse Kreise fürchten wie der Teufel das Weihwasser: Donald J. Trump. Alle fiesen Verleumdungen und noch so raffiniert gedrechselten Drehs haben nicht verhindern können, dass der Enkel deutscher Einwanderer zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

Im Wahlkampf hatte es Trump noch verhältnismäßig leicht, denn da er zwar von den Republikanern aufgestellt, aber eigentlich völlig unabhängig war, konnte er in flotter Robin-Hood-Manier ungeniert ungeliebte Wahrheiten aussprechen, jenseits aller politisch korrekten Empfindlichkeiten. Was Donald Trump tatsächlich von seinen Ankündigungen wahrmachen kann oder darf, wird sich bald herausstellen. Allein die Tatsache, dass sich Trump NATO-kritisch äußerte, hat offenbar für Europa schon einiges Positives gezeitigt, überlegen führende Köpfe des EU-Establishments jetzt endlich, dass sich Europa in Hinkunft vielleicht doch selbst um seine Sicherheit kümmern wird. Allein dafür ist Donald Trump zu danken.

 

[Text: H. M., Bild: Neelix/wikimedia.org]