Nur selten erreichte die SPD in Umfragen seit der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen an die 20 %-Marke in Umfragen heran. Im Gegenteil, die Nähe zur Alternative für Deutschland (AfD) ist mal größer und mal kleiner. Dabei hatte es nach der Absage des Kanzlerkandidaten Martin Schulz an eine Koalition mit der CDU zunächst gar nicht so schlecht ausgesehen. Die Umfragen signalisierten ein leichtes Plus für die SPD.
Nun ist zu erwarten, dass bei nächstbester Gelegenheit, wenn es zu einer größeren Fehlleistung der Bundesregierung kommt, dann ein Wechsel im Ranking zwischen SPD und AfD erfolgt. In den Neuen Bundesländern – sogar in denen, wo die Sozialdemokraten den Ministerpräsidenten stellen (also Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) kommt die SPD nicht mehr deutlich über 20 %. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt laviert die Partei ohnehin nur um die 10 % Marke.
Der damals noch beliebteste SPD Minister, der als Intrigant verschriene Sigmar Gabriel, wurde von der Partei nicht mehr als Außenminister nominiert. Statt dessen sitzt dort nun Heiko Maas. Der ist in der Bevölkerung einer der am wenigsten geschätzten Politiker. Andrea Nahles (schon äußerlich – wofür sie nichts kann), alles andere als ein Sympathieträger, führt nun die Partei.
Die eigenen Kräfte der Partei reichen für die von Frau Nahles propagierte Erneuerung nicht aus. Sie selbst steht im Wege. Der letzte SPD Bundesparteitag brachte nicht die reformerische Kraft zur Befreiung auf. Mit Simone Lange, der Oberbürgermeisterin von Flensburg, stand dafür eine durchaus respektable Persönlichkeit als Kandidatin zur Verfügung. Anders als in der CDU – wo Frau Merkel alle kritischen Stimmen, deren sie habhaft werden konnte, von der politischen Willensbildung ausgeschlossen hat – gib es in der SPD immer noch Persönlichkeiten, die gegen den Strom schwimmen. Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowski sind Beispiele einer vollkommen konträren Richtung.
Ein Blick über die Grenze Richtung Norden zeigt, was eine SPD tun müßte, um wieder wählbar zu werden. Die dänischen Sozialdemokraten sind dort stärkste Kraft und unterstützen die Regierung bei der Sicherung der Souveränität des Königreiches. Ein solches Personaltableau hat die CDU nicht. Jens Spahn – um den Hoffnungsträger der Konservativen in der CDU zu benennen – hat Merkel nie ernsthaft widersprochen. Wer soll die „andere“ CDU glaubhaft verkörpern?
Nahles, die weder berufliche Tätigkeit noch eine Ausbildung vorweisen kann, ist zu „jung“ für den Ruhestand. Sie wird – auch auf Kosten des Wohles der eigenen Partei – möglichst lange versuchen, „vorn“ zu sitzen. Die Kanzlerschaft der Angela Merkel ist gewissermaßen ihre Lebensversicherung – und natürlich auch umgekehrt. Fällt die eine, reißt sie die andere mit in den Abgrund. So lange die SPD sich als „zweitstärkste“ Kraft halten kann, so lange wird es dabei bleiben. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen in diesem Jahr werden daran nichts ändern, weil die SPD dort keinen Machtzuwachs erwartet, und nicht regiert.
Aber für beide kann trotzdem ein rascheres Ende kommen. Wenn die CSU – in Bayern gewissermaßen Staatspartei mit dem Anspruch der absoluten Mehrheit – unter die 40% Marke fällt oder es zusammen mit der FDP dort nicht mehr zu einer Regierungsmehrheit reichen wird, dann dürfte die CSU die „GroKo“ beenden. Dem Bundesinnenminister Horst Seehofer wird – da im Rentenalter – das „Wurscht“ sein, aber seine gefühlten Nachfolger Alexander Dobrindt und Markus Söder brauchen auf absehbare Zeit eine mächtige CSU, wenn sie weiter eine Rolle spielen wollen.
Ob ein Sturz der Kanzlerin Merkel zwingend Neuwahlen nach sich ziehen muß, ist keineswegs sicher.
Im Bundestag gibt es eine stabile bürgerliche Mehrheit (CDU/CSU, AfD und FDP). Bei der SPD ist eine Wende zunächst nicht zu erwarten.
Nahles kennt den „kleinen Mann“ auf der Straße gar nicht. Ihre Angst vor ihm ist offenbar geringer, als vor einer negativen Berichterstattung in den Mainstream Medien.
Da sie zum Broterwerb in der Politik keine Alternative hat, kann sie nicht souverän auftreten. Mit ihrem infantil-aggressiven Geschwätz versucht sie schein­bar, ihre Unsicherheit zu verbergen.
In Sachen Intrigen hat sie große „Kompetenz“. Vor einigen Jahren stänkerte sie so lange herum, bis der, vom damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Franz Müntefering vorgeschlagene Generalsekretär Karl-Josef „Kajo“ Wasserhövel durchfiel und für sie die „Bahn frei“ war. Ihre früher einmal gemachten Berufswünsche Hausfrau oder Bundeskanzlerin scheinen im heutigen Licht beide gleichermaßen unrealistisch. Für das eine gibt es auf absehbare Zeit keine Mehrheiten, beim anderen ist fraglich, ob sie die dafür erforderlichen Fachkenntnisse besitzt. Ihre Ehe mit dem Kunsthistoriker Marcus Frings scheiterte nach nur sechs Jahren.

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[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Heinrich-Böll-Stiftung; Lizenz: CreativeCommons Attribution-Share Alike 2.0 Unported]