Die Türkei setzt ihre Bodenoffensive in Syrien fort. Nachdem erste Panzer die Extremisten des „Islamischen Staates“ (IS) aus der nordsyrischen Grenzstadt Dscharablus vertrieben hatten, schickte Ankara weitere zehn Panzer ins Nachbarland. Nach Angaben eines Vertreters der türkischen Regierung befinden sich 20 türkische Panzer in Syrien. Offiziell richtet sich der Einsatz gegen den IS, tatsächlich ist er aber hauptsächlich gegen die syrische Kurdenmiliz YPG, einem Ableger der verbotenen (türkischen) PKK, gerichtet. So sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim, die Offensive werde so lange fortgesetzt, bis die YPG über den Eurphrat zurückgedrängt wird. Dscharablus ist rund 30 Kilometer von Manbidsch, einer Stadt, die die YPG kürzlich vom IS befreit hat, entfernt.

Die türkische Bodenoffensive in Nordsyrien findet wiederum mit ausdrücklicher Unterstützung der USA statt. „Unsere Abmachung mit den USA lautet, dass sich die Kurden aus Manbidsch und der Region auf die Ostseite des Euphrats zurückziehen müssen“, sagte Yildirim. Und US-Vizepräsident Joe Biden erklärte gestern im Rahmen seines Besuchs in Ankara: „Wir unterstützen nachdrücklich, was das türkische Militär tut“.

Washington sind die militärischen Erfolge Russlands, die die Herrschaft des syrischen Präsidenten Assad festigen, ein Dorn im Auge. Denn die USA verfolgen nach wie vor das Ziel, Assad zu stürzen. Und dass Russland für seine Luftangriffe gegen verschiedene islamistische Milizen in Syrien einen iranischen Stützpunkt nutzen darf, lehnen die USA erst recht ab.

Der türkische, von den USA unterstützte Militäreinsatz in Syrien ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Russland hat daher bereits seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht. Moskau sei über die jüngste Entwicklung an der syrisch-türkischen Grenze „tief besorgt“, heißt es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums. Auch wird vor der „Möglichkeit einer weiteren Verschlechterung der Lage in der Konfliktzone“ gewarnt, insbesondere, weil sich die ethnischen Spannungen zwischen Arabern und Kurden verstärken könnten.

 

[Text: B. T.; Bild: Simon Q/Wikimedia.org]