Ein Krematorium, welches der syrische Präsident Baschar al-Assad angeblich in einem Gefängniskomplex errichten hat lassen, um die Leichen von Folteropfern zu verbrennen, sorgte für gewaltiges Rauschen im internationalen Blätterwald. „Syrien: Lässt Assad Leichen verbrennen“, fragte die „Presse“, und die „Washington Post“ titelte: „Syrien errichtete ein Krematorium, um die Massentötung von Häftlingen zu bewältigen“. Nachdem Assad weiterhin militärische Erfolge erzielt, soll der syrische Präsident einmal mehr als brutaler Schlächter dargestellt werden.

Berichte wie diese bezogen sich auf eine Pressekonferenz des für den Nahen Osten zuständigen US-Vizeaußenministers Stuart Jones. Dieser erklärte in Bezug auf das Saydnaya-Gefängnis: „Glaubwürdige Quellen nehmen an, dass viele Leichen in Massengräbern entsorgt wurden. Wir nehmen nun an, dass die syrische Regierung im Saydnaya-Gefängniskomplex ein Krematorium eingerichtet hat, Insassen ohne viel Beweis entsorgen könnte.“ Und Jones weiter: „Seit 2013 hat die syrische Regierung das Gebäude innerhalb Saydnaya Gefängniskomplexes umgebaut zu einem, wie wir annehmen, Krematorium, wie Fotos, die wir Ihnen gegeben haben, zeigen“. Die Fotos stammen aus dem Jahr 2013, und „Annahmen“ sowie nicht näher genannte „glaubwürdige Quellen“ machen noch lange keinen Beweis aus.

Was Vizeaußenminister Jones aber am Ende seiner Pressekonferenz sagte, lassen darauf schließen, dass Washington eine Anti-Assad-Fake-News in die Welt setzen wollten. Laut Jones zeige das älteste, im August 2013 aufgenommene Foto bauliche Maßnahme wie eine Feuerwand, die „logisch wären, wenn sie ein Krematorium errichten wollen“. Ein vom 15. Jänner stammendes Foto zeige schmelzenden Schnee auf dem Dach, „was mit einem Krematorium übereinstimmen würde“. Doch ein kritischer Journalist ließ sich von der US-Regierungspropaganda nicht beeindrucken und wandte ein: „Oder nur mit einem beheizten Teil des Gebäudes, nicht wahr?“ Jones erwiderte darauf: „Möglich“.

 

[Text: B. T.; Bild: Syrianist/wikimedia.org]