Seit dem Ende des Kolonialismus, insbesondere seit Frankreichs Rückzug aus Algerien, galten die Theorien des Postkolonialismus, der sich in den USA jüngst zur Variante einer „critical whiteness“ ausbildete, als moralistischer Trumpf im linken Diskurshorizont.

Die Durchsetzung europäischer Interessen im außereuropäischen Raum stand unter dem Generalverdacht von rassistisch grundiertem Ausbeutungswillen. Die insbesondere im 19. Jahrhundert in die großen Museen der europäischen Hauptstädte verbrachte Kunst dieser Weltgegenden schien der postkolonialen Theorie schlagender Beweis ihrer Ansichten zur Ausplünderung der Dritten Welt. Diese Argumentationsstrategie erschien so erfolgsversprechend, dass sich ihr auch europäische Staaten annäherten.

Am prominentesten und lautesten tat dies Griechenland hinsichtlich der durch Lord Elgin im Jahr 1816 an das British Museum verkauften Teile des Parthenon-Fries. Elgin hatte jedoch seinerseits mit den damals verantwortlichen Behörden – freilich waren dies Vertreter des Osmanischen Reiches gewesen – einen Vertrag geschlossen. Immer wieder wird auch die Büste der Nofretete, die sich heute im Ägyptischen Museum in Berlin befindet und 1913 mit Genehmigung der ägyptischen Altertümerverwaltung nach Deutschland kam, von Ägypten rückgefordert.

Die Türkei hatte jüngst Erfolg, als sie die Sphinx von Hattusa von der Bundesrepublik zurückbekam – anderenfalls hätte man den Entzug von Grabungslizenzen riskiert.

 

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[Bild: Andrew Dunn/wikimedia.org]