Am 14. März 2016 lud der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl zu einer Asyl-Infoveranstaltung für die Grazer Bezirke Innere Stadt, Jakomini, Liebenau und Puntigam mit dem Titel: „Flucht, Asyl und Unterbringung“ ein. Da Graz als zweitgrößte Stadt in Österreich besonders vom Asylchaos betroffen ist, wollten wir uns die Gelegenheit, diese Veranstaltung zu besuchen, nicht entgehen lassen. Vor allem deshalb, weil gerade Bürgermeister Siegfried Nagl und seine schwarzen Kollegen aus dem Grazer Gemeinderat in den ersten Monaten des Asylansturms kategorisch alle Anträge der FPÖ- Graz zu diesem Thema ablehnten. Trotz der Massen, die nach Österreich strömten, sahen die Schwarzen damals alle keinen Grund zur Besorgnis.

Bereits ca. 40 Minuten vor Veranstaltungsbeginn hatten sich schon rund 50 Leute vor dem Saal versammelt. Als der Herr Bürgermeister kam, schüttelte er den Damen und Herren freudig die Hände, und man bezog in den ersten Reihen Platz. Leider handelte es sich bei diesen Damen und Herren großteils nicht um besorgte Bürger der betroffenen Bezirke, sondern um Angestellte des Magistrats Graz, die anscheinend zur Stimmungsaufbesserung zu dieser Veranstaltung gekarrt worden waren. Zwar erhielten sie Verstärkung durch eine rund 30-köpfige Delegation von linkslinken Gutmenschen, doch die restlichen 220 Plätze im Saal wurden nur langsam und spärlich besetzt. Sehr viele Stühle blieben leer.

Neben dem Grazer Bürgermeistern Siegfried Nagl und Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner saßen am Podium der Leiter der Grundversorgung und Bundesbetreuung Gernot Maier aus dem Innenministerium, der Flüchtlingskoordinator des Landes Steiermark Kurt Kalcher, Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter und Karl Lippitz von der Caritas Steiermark.

Ein strenges Reglement bewirkte, dass es nur acht Bürgerfragen geben durfte. Das löste zwar im Saal Entrüstung aus, aber die Herren auf dem Podium störte das nicht sonderlich. Man betonte, dass es um Graz keineswegs so schlecht bestellt sei, wie es derzeit den Eindruck mache. Bürgermeister Siegfried Nagl ergänzte, dass es ihm stets ein großes Anliegen war, dass in Graz keine Asylgroßunterkünfte entstehen würden. Warum dann die Massenasyllager in Andritz und im ehemaligen Praktikermarkt in Graz - bei dem sogar eine eigene Polizeistreife dauerhaft für 24 Stunden abgestellt wurde - weiß er wohl nicht so genau.

Nachdem sich nach einer halben Stunde ermüdenden Gefasels noch immer nicht alle Personen auf dem Podium fertig vorgestellt hatten, riss der ersten Bürgerin der Geduldsfaden. Sie sprang auf und beschwerte sich lautstark über die Tatsache, dass die Vorstellungsrunde nach einer halben Stunde noch immer nicht zu Ende sei und dass die Bürger endlich ihre Fragen beantwortet haben wollten. Der Moderator versuchte nach diesem Zwischenruf vergebens die Situation zu retten. Dies löste erst recht Entrüstung unter den Bürgern aus. Nach geschlagenen 45 Minuten war die Podiumsrunde dann endlich durch. Fairerweise muss man sagen, dass der Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter als einziger Redner versucht hat, die aktuelle Lage in Graz aus Sicht der Polizei sachlich darzustellen und er auch zugab, dass es mit den Asylwerbern entgegen vieler Medienberichte tatsächlich große Schwierigkeiten gibt - besonders bei Diebstählen und Drogenhandel.

Die erste Bürgerfrage kam danach von einer Lehrerin, die wissen wollte, ob und wann es endlich Verordnungen geben wird, die den Lehrern in der Schule mit den Problemen helfen, die sie mit Asylkindern im Moment bewältigen müssen. Besonders wurde hier der fehlende Respekt vor dem Lehrpersonal und der Ablehnung von Schweinefleisch angesprochen. Dieser Frage nahm sich der Integrationsstadtrat Hohensinner an und stellte erst einmal fest, dass es ein großer Vorteil sei, wenn man Deutsch nicht als Muttersprache habe. Sofort brach im Saal Gelächter aus und die Bürger schüttelten fassungslos den Kopf. Bedenklich ist, dass Herr Hohensinner bezüglich der Problematik mit dem fehlenden Respekt der Asylkinder keine bessere Antwort wusste, als die Behauptung, dass Asylwerber viel häufiger von Inländern diskriminiert würden als umgekehrt. Außerdem habe man eine Antidiskriminierungshotline eingerichtet. Erneutes Gelächter im Publikum.

Der zweite Bürger wollte wissen, wie viele Asylwerber momentan in der Vollzugsanstalt Jakomini inhaftiert seien. Auf diese Frage konnte niemand eine konkrete Antwort geben aber man gab zu, dass sich momentan sicher einige Asylwerber wegen Drogendelikten dort aufhalten würden.

Die dritte Frage ging an den Herren von der Caritas und lautete: Warum freiwillige Helfer, die bei der Caritas mit Asylanten arbeiten wollen, zuerst eine Schweigeverpflichtung unterzeichnen müssen? Die Antwort darauf heizte die Stimmung im Saal an, denn der Herr von der Caritas erklärte, dass man eine solche Verpflichtung natürlich darum unterzeichnen müsse, weil man hier mit sensiblen Daten und Datenschutz zu tun habe.

Die abgehobene Antwort auf die vierte Frage brachte die Stimmung im Saal endgültig zum Kippen: Eine Bürgerin erzählte, dass ihre Bekannte und deren Kollegen vergangenes Jahr nach einer Feier auf dem Grazer Schlossberg von Asylanten krankenhausreif geprügelt wurden und das eben diese Dame heute noch an schweren psychischen Folgen dieser Gewalttat zu leiden hätte. Die Erzählerin wollte von den Herren auf dem Podium wissen, wie man in Zukunft solche Gewalttaten verhindern wolle. Die Antwort darauf war kurz und knapp - man solle bei so einem Vorfall „133“ wählen und es gäbe aber auch schon eine Broschüre für Flüchtlinge, in der diese nachlesen könnten, was bei uns erlaubt und verboten sei.

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Nachdem die Bürger nach dieser Antwort ihrem Ärger Luft machten und begannen, dem Podium ihre Meinung zu sagen, ergriff Bürgermeister Siegfried Nagl das Mikrofon und schulmeisterte die aufgebrachten Bürger lautstark, dass die anwesenden Herren nicht für das Asylchaos verantwortlich wären, sondern dass man an Lösungen arbeite. Aber auch diese Wortmeldung beruhigte die Bürger nicht, und so zog der Moderator die Notbremse und eröffnete den zweiten Teil des Podiumsvortrags. Man warf in weitere Folge weiter Zahlen, Wünsche und Lobeshymnen auf sich selbst in die Menge, was die Bürger aber nicht sonderlich beeindruckte. Darum beschloss man mit der zweiten Fragerunde zu beginnen und „zufällig“ meldeten sich nun Flüchtlingshelfer, Soziologen und andere zu Wort, die dem Bürgermeister und dem Podium für ihre großartige Arbeit dankten. Nachdem diese sehr gekünstelt gewirkte Fragerunde beendet war, stellte plötzlich der Moderator selbst vorbereitete Fragen, in denen er unter anderem die tolle Integrationsarbeit der zuständigen Mitarbeiter des Bürgermeisters lobte. Daraufhin verließen viele Bürger wutentbrannt den Saal.

Nachdem die Veranstaltung ohnehin schon ein komplettes Desaster war, traf Bürgermeister Nagl fast der Schlag, als plötzlich die „Identitäre Bewegung Steiermark“ mit einem riesigen Transparent an der Seite des Saales Stellung aufnahm.

Die linke Gutmenschendelegation sprang sofort auf und versuchte die Aktion der Identitären mit allen Mittel zu verhindern. Die Linke, die sonst gewöhnt ist, selbst durch derartige Mittel zu operieren, war überrumpelt und versuchte nun zu provozieren.

Trotz größter Bemühungen des Bürgermeisters und des Moderators musste man sich schlussendlich doch die bittere Niederlage eingestehen und man beendete diesen Abend in einem nur mehr halbvollen Saal mit Reportern, die sich viel mehr für die Aktion der Identitären als für die Herren auf dem Podium interessierten, und mit wütenden Bürgern, die auf ihre Fragen keine vernünftigen Antworten bekommen hatten.

[Text: O.L. Bilder: ZZ/Archiv]