Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilte das Amtsgericht Nordhorn in Niedersachsen einen Sudanesen. Der Mann hatte, wie der NDR berichtete, in den Jahren 2015 und 2016 nach Auffassung des Gerichts elfmal bei verschiedenen Ausländerbehörden gemeldet und falsche Personalien angegeben, um Unterstützungen zu kassieren. Der Sudanese, dessen genaue Identität bis heute nicht geklärt werden konnte, versachte bei seinen kriminellen Handlungen einen Schaden in Höhe von 70.000 Euro.

Und der Sudanese ist kein Einzelfall. Laut NDR erschlichen sich hunderte Asylbetrüger Leistungen, als die Ausländerbehörden in den Jahren 2015 und 2016 wegen der illegalen Masseneinwanderung überlastet waren, indem sie falsche Identitäten angaben: „Betrüger nutzten den Stress der Behördenmitarbeiter für ihre Zwecke aus: Man ließ sich einen Bart wachsen oder setzte eine Brille auf, ließ sich unterschiedliche Namen und Geburtstage einfallen.“ In der Folge konnten die Asylbetrüger in mehreren Gemeinden Leistungen kassieren.

Dass den Steuerzahlern durch Asylbetrug ein großer Schaden entsteht, scheint den zuständigen Behörden egal zu sein. Aufgedeckt wurden die systematischen Betrügereien von Nadia Nischk, einer Mitarbeiterin der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen. Sie hat die mutmaßlichen Betrugsfälle zusammengetragen und gegen den Willen ihres Vorgesetzten die Polizei informiert, woraufhin Ermittlungen in rund 500 Fällen ins Rollen kamen. Und Nischk wurde für ihre Zivilcourage bestraft, was ein düsteres Bild über die Zustände in der Bundesrepublik wirft. Die mutige Frau wurde von der Arbeit freigestellt und ihr befristeter Dienstvertrag nicht mehr verlängert.

[Text: B. T.; Bild: Wikipedia/Heribert Duling; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany]