Die Polizei, egal ob in Österreich oder in der BRD, pfeift aufgrund des anhaltenden Asylchaos sprichwörtlich aus dem letzten Loch. Neben unzähligen Überstunden, welche die Beamten abzuleisten haben, bleibt die wirklich Polizeiarbeit auf der Strecke. Statt Straftaten aufzuklären oder zu verhindern, sind die Freunde und Helfer der Bürger dazu abgestellt, einen unendlich scheinenden Strom von „Flüchtlingen“ an der Grenze tatenlos durchzuwinken. Im nördlichsten Bundesland der BRD, in Schleswig-Holstein, will man daher im kommenden Jahr 145 Polizisten mehr einstellen, wie Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) verkündete. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Schließlich hat die Polizei seit Jahren mit sinkenden Bewerberzahlen zu kämpfen. Reichten 2011 noch über 3.000 Interessierte ihre Unterlagen ein, waren es 2015 nur noch knapp 2.600. Davon aber traten nur 1.500 Bewerber tatsächlich zur Prüfung an – die lediglich 383 bestanden. „Diese Zahl steht uns aber nie vollständig zur Verfügung“, erklärt Horst Winter, Leiter der Werbe- und Einstellungsstelle bei der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung, „selbst nach erfolgter Zusage springt ein hoher Anteil noch ab.“

Um das Plansoll zu erfüllen, wurde heuer erst einmal die Bewerbungsfrist bis Ende des Jahres verlängert. Zudem plant das Ministerium, langfristig Abstriche bei der Qualifikation und den Einstellungshürden. So mussten Abiturienten bislang einem Notenschnitt von 2,8 haben, Schüler mit mittlerer Reife in den Fächern Deutsch, Englisch, Wirtschaft und Politik sowie Sport mindestens die Note 3 mitbringen. „Diese Zulassungsbeschränkungen sind gestrichen“, sagt Winter, der sich jedoch gegen eine Aufweichung der Voraussetzungen ausspricht. Das bestandene Abitur oder die bestandene mittlere Reife reichen, um am Einstellungstest teilzunehmen.

Und auch dort gibt es eine Erleichterung. Im Diktat wird die Interpunktion nicht berücksichtigt. „Fehler im Text werden weiter angestrichen, schließlich gehört das Schreiben von Anzeigen zur täglichen Arbeit eines Beamten“, sagt Winter und fügt hinzu: „Bei vielen Bürgern dürfte die Regelung auf Unverständnis stoßen. Aber anders kommen wir an die geforderte Bewerberzahl nicht heran.“ Keine Erleichterungen soll es hingegen beim Sport- und Intelligenztest geben. Das passt dem innenpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion, Burkhard Peters, überhaupt nicht: „Warum sollte eine Bewerberin, die hervorragende IT-Kenntnisse mitbringt und im Bereich Computerkriminalität arbeiten könnte, daran scheitern, dass sie die 100 Meter nicht in der vorgegebenen Zeit läuft?“ Die Opposition unterstützt hingegen die Polizei bei ihrer Forderung der Beibehaltung hoher Hürden. „Das Land darf keine Abstriche bei der Qualität der Bewerberinnen und Bewerber machen“, erklärte etwa FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki.

 

 

Text: M. H.
Bild: mentorandi/flickr