Um in einem europäischen Land Asyl zu erhalten, müssen Flüchtlinge nachweisen, dass sie in ihrer Heimat verfolgt werden bzw. ihr Leben in Gefahr ist. Und viele der europäischen Asylbehörden vorgelegten „Beweise“ sind schlichtweg getürkt, wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hervorgeht. Demnach hat sich in Afghanistan ein lukrativer Geschäftszweig entwickelt, wo Drohbriefe der islamistischen Taliban gefälscht werden. Bis zu 1.000 US-Dollar kostet ein gefälschtes Schreiben der Taliban. In den Fälscherwerkstätten wird das Logo der Taliban aus dem Internet kopiert und dann handschriftlich dem Empfänger gedroht, die Militärkommission der Islamistengruppe werde ein Todesstrafe verhängen, z. B., weil der Betreffende für die US-Truppen oder die afghanische Armee arbeite.

Die falschen Drohbriefe dürften mittlerweile zu einem systematischen Asylmissbrauch führen. „Von den Drohbriefen, die jetzt den europäischen Behörden von Afghanen vorgelegt werden, würde ich sagen, dass nur ein Prozent echt ist und 99 Prozent Fälschungen sind“, sagte ein Fälscher, der sich Mukhamil nennt, Associated Press. Und die Taliban wiederum bestreiten, dass sie Drohbriefe verschicken.

Laut AP ist dem afghanischen Geheimdienst bekannt, dass massenweise gefälschte Drohbriefe in Umlauf gebracht werden, aber zur Verfolgung der Fälscher bestehe keine Bereitschaft. Und Europa wiederum besticht durch mangelndes Problembewusstsein. So heißt es seitens des deutschen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, man wisse, dass gefälschte Dokumente in Umlauf seien, aber diese seien keine Garantie, dass jemandem Asyl gewährt werde.

 

 

Text: B. T.
Bild: Samuel_Horti/twitter.com