Auf den Spuren Obamas

 

Gustav Stresemann hat ihn, Carl von Ossietzky, Albert Schweitzer, das Rote Kreuz, Willy Brandt, sogar die EU und auch US-Präsident Barack Obama. Obwohl bei Letzterem in jüngster Zeit immer wieder Stimmen laut wurden, dass die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2009 ein Fehler war. Immerhin war der US-Präsident damals noch nicht lange im Amt. Auch die offizielle Begründung der Verleihung, er erhalte den Preis für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken, wirkte wenig glaubhaft.

Im Nachhinein zeigte sich dann zunehmend, dass die Bemühungen des Präsidenten darauf abzielten, die Zusammenarbeit der Völker im Interesse der US-amerikanischen Hegemonialinteressen mittels Militär und Ausweitung des Drohnenkrieges zu fördern. Zumal damals selbst der „Spiegel“ überraschend kritisch bezüglich der Verleihung berichtete: „Andere hätten den Preis eher verdient, vorneweg das ungleiche Trio Gerhard Schröder, Wladimir Putin und Jacques Chirac. Der sozialdemokratische Kanzler, der konservative französische Staatspräsident und Russlands neuer Zar Putin bildeten im Jahr 2003 eine vielfach belächelte Ein-Punkt-Koalition. Sie waren gegen den Irak-Krieg. Sie lehnten ihn ab aus Mangel an Beweisen. Kein Krieg ohne Kriegsgrund, das war ihre Prämisse.“

War vor sechs Jahren der Grund für die Verleihung die Hoffnung „es würde Obama stärken, aber das war nicht der Fall“, wie der norwegische Historiker und ehemalige Sekretär des Nobelpreiskomitees Geir Lundstad unlängst bekannte (ZZ berichtete), scheint selbige Intentionen nun der Nominierung der deutschen Kanzlerin innezuwohnen.

„Sie hat in einer kritischen Zeit moralische Führungsqualitäten gezeigt“, sagte der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Kristian Berg Harpviken und lobt Merkel, sie habe sowohl in der Ukraine-Krise als auch in der Flüchtlingsfrage Verantwortung übernommen, um die sich viele andere gewunden hätten. Die Nominierung Merkels durch einige Unionspolitiker ist allerdings ein geschickter Schachzug. In Zeiten, in denen die Umfragewerte der Kanzlerin sinken, und die Deutschen der Politik, vor allem in der Flüchtlingsfrage, äußerst skeptisch gegenüberstehen, könnte die Verleihung des Preises wie eine nachträgliche internationale Adelung der antideutschen Politik der Kanzlerin wirken. Und wenn die „Bild“-Zeitung sinnig titelt „Wir sind Friedensnobelpreis“, steigen bestimmt auch wieder die Umfragewerte und die Skepsis der letzten Wochen löst sich in fröhliche Zustimmung und Wohlgefallen auf.

 

M. H.

 

 

(Bild: European Peoples Party/flickr)