In der deutschen Sozialdemokratie rumort es gewaltig. Kaum richtig erholt von der Bundestagswahl, aus der die ehemalige Volkspartei mit herben Verlusten hervorging, wird nun weiter am Untergang der Bewegung der Arbeiterklasse gewerkelt. Martin Schulz, ehemals hochgelobter und bald entzauberter Spitzenkandidat, dessen herbeigeschriebener Schulz-Zug mangels Charisma schon an der ersten Wahlurne stehenblieb, will nun, offenbar zum Leidwesen seiner Genossen, doch regieren.
Daher regt sich schon deutlicher Widerstand gegen die Pläne des gescheiterten Buchhändlers in die nächste – wenn auch deutlich kleinere – GroKo, also Große Koalition zu starten. In den sozialen Netzwerken mehr sich die Kritik an Schulz, die schon das sonst gewohnte Maß übersteigt. Nur eine kleine noch zitierfähige Auswahl: „Das war’s dann mit der SPD.“ „Sie haben versagt.“ „Vollversager“ und „Umfaller des Jahres 2018“. Schuld an dem Unmut der Genossen dürften aber auch neueste Umfragen sein, die die SPD nur noch bei 18,5 Prozent sehen, zwei Prozent weniger als noch bei der Bundestagswahl.
Tief gespalten sind daher die Landesverbände der SPD, ein Teil ist strikt gegen eine Koalition, andere verlangen Nachbesserungen beim Ergebnis der Sondierungsgespräche, einige wollen regieren. Abstimmen darüber, ob und wie es nun weitergehen soll, wird ein SPD-Sonderparteitag am Sonntag. Bis dahin wird es noch viele Diskussionen innerhalb der SPD geben, und die Anhänger Schulzens werden noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Mit Allgemeinplätzen wie „die SPD habe bei den Sondierungen mit der Union ‚eine große Liste von Erfolgen‘ vorzuweisen“ oder der Hoffnung „wir können Skeptiker überzeugen“ wird allerdings wenig zu holen sein.
Allerdings: der Schulz-Zug fährt gerade wieder, bleibt nur abzuwarten, ob es vielleicht der Trauerzug für die einst so stolze SPD oder vielleicht gar für Martin Schulz selbst wird.

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