Wie auch in Österreich, wo der Presserat die Funktion einer Zensurbehörde wahrnimmt, gibt es auch in Deutschland einen Presserat, der mithilfe eines Pressekodex Anleitungen zur politisch-korrekten Berichterstattung gab. Dieser Kodex wurde nun jedoch geändert, obwohl sich der Presserat letztes Jahr noch gegen eine Änderung aussprach. Konkret geht es um die Richtline 12.1., in der es bisher hieß: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Die meisten Medien hielten sich auch an diese Form der Selbstzensur. Nach den Silvestervorfällen in Köln entbrannte jedoch eine Diskussion über die Glaubwürdigkeit der Presse, und die Phalanx der politisch-korrekten begann zu bröckeln. So beschloss etwa die „Sächsische Zeitung“ im Sommer vergangenen Jahres, in Zukunft die Herkunft von Straftätern zu benennen.

Dies veranlasste nun den Presserat, die entsprechende Richtlinie des selbstauferlegten Kodex zu ändern. Fortan besagt die entsprechende Richtlinie: „In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Wie die Gremien des Presserates nun allerdings entscheiden, was ein „begründetes öffentliches Interesse“ ist, wird sich erst noch zeigen. Der „begründete Sachbezug“ wurde jedenfalls von den meisten Medien sehr eng ausgelegt. Aber Leitsätze als Interpretationshilfe der neuen Richtlinie sollen noch folgen.

 

[Text: M. H.; Bild: Anuj Biyani/flickr]