„Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“, meinte Angela Merkel, als vor zwei Jahren im Zuge des NSA-Skandals bekannt wurde, dass ihr Mobiltelefon möglicherweise abgehört wurde. Doch selbst scheint es die bundesdeutsche Kanzlerin mit diesem Grundsatz nicht so genau zu nehmen. Denn wie nun bekannt wurde, soll der Bundesnachrichtendienst (BND) dem US-Geheimdienst NSA jahrelang bei der Spionage geholfen haben. Ziel der Schnüffelei soll das französische Außenministerium, der Präsidentenpalast in Paris sowie die EU-Kommission in Brüssel gewesen sein, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Vor einer Woche wurden erste Vorwürfe bekannt, wonach der BND der NSA jahrelang half, europäische Unternehmen und Politiker auszuspionieren. Demnach fiel dem BND schon seit längerem auf, dass von den Amerikanern vorgegebene Suchmerkmale (Selektoren) für die Überwachung des Datenverkehrs – etwa IP-Adressen von Computern oder Namen – gegen deutsche oder europäische Interessen verstießen. Doch Konsequenzen – sprich: ein sofortiges Ende der Hilfsdienste für die USA – gab es offenbar keine. Auch lässt sich derzeit noch nicht sagen, welche Folgen der nunmehrige Spionageskandal für das deutsch-französische Verhältnis haben wird.

 

B. T.

 

 

(Bild: Matt Crypto/wikimedia.org)