Australien setzt einen riesigen Schritt zur Massenüberwachung seiner Bürger. 2016 soll ein Gesetz in Kraft treten, welches erlaubt, Photos, die auf sogenannten sozialen Medien wie Facebook oder Instagram ins Netz gestellt werden, für eine „Anti-Terrorismus-Datenbank“ zu nutzen. Bereits im September gab der australische Justizminister Michael Keenan bekannt, das die Regierung 13,3 Millionen US-Dollar für die Entwicklung einer Datenbank mit dem Namen „The National Facial Biometric Matching Capability“ ausgeben wird.

Kritiker sprechen davon, dass es der „nationalen Fähigkeit zum Abgleich biometrischer Gesichtsdaten“ an Transparenz mangle. Der Cyber-Sicherheitsexperte Patrick Gray sagte dem Fernsehsender ABC, die Pläne der Regierung seien eine „andere Gruselliga“ und eine „andere Angriffsliga“, weil es keine breitangelegte Diskussion gäbe.

Justizminister Keenan verteidigt naturgemäß das Vorhaben, das mit der angeblichen Terrorismusbekämpfung begründet wird: „Es schützt die Australier, indem ihre Identität geschützt wird und es unseren Strafverfolgungsbehörden erlaubt, wirksam und treffsicher jemanden zu identifizieren, der ihr Interesse wecken könnte.“ Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass nur Bilder von amtlichen Dokumenten wie Reisepass oder Führerschein oder Aufnahmen aus öffentlichen Überwachungskameras für die Datenbank verwendet werden. Doch nun behauptet die Regierung, auch Bilder aus sozialen Medien müssten gespeichert werden, weil jedes menschliche Gesicht bzw. die entsprechenden biometrischen Daten einmalig sind wie ein Fingerabdruck. Die Software der Datenbank überprüft besondere Gesichtsmerkmale wie die Augen- oder Nasenpartie und gleicht sie mit bereits gespeicherten Bildern ab. Insgesamt sollen in der Datenbank rund 100 Millionen Bilder gespeichert werden, was vier pro Australier bedeutet.

 

 

Text: B. T.
Bild: KMJ/wikimedia.org