Zu einem handfesten Eklat samt Polizeieinsatz kam es am 5. März in Wien Ottakring, als die ORF-Journalistin Sonja Sagmeister versuchte, über eine türkische Wahlkampfveranstaltung zu berichten, und damit kläglich scheiterte. Pikantes Detail ganz neben ihrem unsanften Rauswurf war, dass die Reporterin doch tatsächlich mitten in Wien ein Kopftuch aufzog, um nicht zu sehr aus der „betuchten“ Menge zu stechen. In türkischen Medien wurde nach dem Vorfall sogar ein Spionagevorwurf laut.

Im Rahmen der Werbeveranstaltungen für Erdogans geplantes Sultanat war ein türkischer Politiker von der UETD (Union Europäisch-Türkischer Demokraten) in die Räumlichkeiten eines weiteren AKP-nahen Vereins namens Wonder geladen worden. Da der ORF, wie angeblich auch andere nicht-türkische Medien, keine Presseakkreditierung und damit kein Zutrittsrecht erhalten hatte, zierte sich Sagmeister gekonnt mit einem bunten Kopftuch sowie einer bis oben zugeknöpften Jacke und betrat ohne Kameramann die Räumlichkeiten. Der Rausschmiss folgte kurz darauf, die Tarnung hielt offenbar den scharfen Blicken der schwarz gekleideten, bärtigen Security-Mitarbeiter nicht stand.

In der Folge kam es zu einem Konflikt zwischen einem türkischen TV-Moderator und Sagmeister am Gehsteig vor dem Vereinslokal. Der nun anscheinend auch als Türsteher eingesetzte türkische Journalist warf ihr vor, sich zu verkleiden, und übersetzte für seine laufende Kamera sogleich ins Türkische. Sagmeister fühlte sich „verfolgt“ und alarmierte die Polizei.

Wozu überhaupt eine Akkreditierung bei einer angeblich öffentlichen Veranstaltung nötig war, ist äußerst fragwürdig. Auch die alternierend vor der Kamera offen einladende und im Hintergrund schroff abweisende Haltung des Moderators bezüglich Zutritts passt zum geplanten Sultanat. Der in der Türkei ausgesprochene Vorwurf der Spionage mag damit zusammenhängen, dass die weit ausgestreckten Arme der türkischen Regierung so gar kein Interesse an medialer Transparenz haben. Spionage ist im Übrigen immer dort anzutreffen, wo jemand anderer etwas zu verbergen hat. Erschreckend ist jedoch, dass eine einheimische Journalistin ein Kopftuch trägt, um, wenn auch nur kurz, Zutritt zu einer Veranstaltung von türkischen Einwanderern mitten in Österreich zu erhalten. Aber noch erschreckender ist, dass sich nicht etwa ein linkes Schmierblatt, sondern das österreichische Staatsfernsehen diesem wachsenden orientalischen Druck zu beugen scheint.

 

[Text: A. BL.; Bild: Screenshot ORF ZIB 2]