Groß war die Aufregung, als US-Präsident Donald Trump Nordkorea indirekt mit militärischer Gewalt drohte. Wenn die kommunistische Führung in Pjöngjang ihre Drohungen gegen die Vereinigten Staaten fortsetze, werde diesen „begegnet mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“, sagte Trump. Nachdem Nordkorea andeutete, das Militär ziehe einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam „ernsthaft in Erwägung“, wurden sogar Befürchtungen über einen (atomaren) Krieg zwischen den beiden verfeindeten Mächten geäußert.

Tatsächlich ist aber eine militärische Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA sehr unwahrscheinlich, weil sowohl Diktator Kim Jong-un als auch Trump vom verbalen Schlagabtausch profitieren. So sagt Peter Kuznick, der Direktor des Instituts für Nukleare Studien an der Amerikanischen Universität in Washington: „Das nordkoreanische Regime braucht eine äußere Bedrohung, um seine Existenz zu rechtfertigen und eine Bevölkerung zu beschwichtigen, der zunehmend bewusst ist, wie schlecht es ihr geht. Der Lebensstandard Nordkoreas beträgt weniger als fünf Prozent von dem Südkoreas. Das ist erstaunlich. In den 1970ern war die nordkoreanische Wirtschaft tatsächlich dabei, die seines südlichen Nachbars zu übertreffen.“ Kuznick zufolge komme auch Trump eine äußere Bedrohung zupass, um die massive Erhöhung der Militärausgaben und die „unzumutbaren Kürzungen“ der Sozialprogramme zu rechtfertigen.

Hinzuzufügen wäre, dass die hitzigen Wortgefechte mit Pjöngjang dem US-Präsidenten auch die Möglichkeit bieten, von dem von seinen Gegnern forcierten „Enthüllungen“ über eine angebliche Einmischung Russlands in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 abzulenken.

Die Nordkorea-Krise könnte zudem für Trump der Vorwand für einen Handelskrieg mit China sein. Diesen Verdacht äußert der auf außenpolitische Fragen spezialisierte Autor Finian Cunningham: „Ein Handelskrieg nur aus wirtschaftlichen Gründen wäre für Trump politisch und rechtlich problematisch. Aber nicht, wenn er in die Lösung globaler Sicherheitsprobleme mit dem ‚Schurkenstaat‘ Nordkorea und dessen historischen Verbündeten China eingebettet wird“. Daher sei es „mehr als ein Zufall“, dass der US-Krieg der Worte gegen das kommunistische Nordkorea just zu dem Zeitpunkt eskalierte, als Trump Schritte unternahm, um China mit Sanktionen wegen angeblich unlauterer Handelspraktiken zu treffen.

 

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[Bild: Official White House Photo by Andrea Hanks]