Die heurigen Richard-Wagner-Festspiele wurden mit "Lohengrin" unter der Leitung von Musikdirektor Christian Thielemann eröffnet. Die Sängerbesetzung war erstklassig, insbesondere durch den Umstand, dass Pjotr Beczała nur drei Wochen vor der Premiere einsprang. Er hatte die Partie schon vor über zwei Jahren mit Thielemann in Dresden erarbeitet. Beczałas Bayreuthdebut fiel jedenfalls glänzend aus. An seiner Seite Anja Harteros als Elsa, auch eine Debütantin am Grünen Hügel, ließ gleichfalls keinen Wunsch offen. Wie in Dresden sang auch diesmal Georg Zeppenfeld den König Heinrich und Tomasz Koniecny den Telramund - beide sehr gut. Wie auch Waltraut Meier, die nach achtzehnjähriger Pause als Ortrud wieder nach Bayreuth zurückkehrte. Thielemann dirigierte etwas flotter als zuletzt in Dresden, aber - wie man es von ihm gewohnt ist - sehr versiert, spannend und überaus klangschön. Eine Ohrenweide. Mit dem "Lohengrin" hat Thielemann den Kanon der zehn Wagnerwerke, die am Grünen Hügel gespielt werden, abgeschlossen. Das gelang zuletzt Felix Mottl vor über 100 Jahren.

Dem Radiohörer entging die Inszenierung von Yuval Sharon mit den blaugrauen Bühnenbildern von Neo Rauch und den Kostümen von Rosa Loy. Hörerinnen und Hörer haben den entschieden besseren Teil der Aufführung genossen, denn diese Inszenierung ist - wie alles derzeit in Bayreuth - durchaus nicht sehenswert.

In der Pause erläuterte eine Festspielbesucherin, die sich selbst als "bekloppte Wagnerianerin" bezeichnete, ihren Farbkanon. Bei "Lohengrin" trägt sie blau, bei "Parsifal" schwarz und bei der "Walküre" rot. Für die "Meistersinger" hat sie sich eigens ein Dirndlkleid nähen lassen, weil sie das Herrn Kosky schuld wäre. Zur Erinnerung: Barry Kosky, der in Wien eine geradezu widerwärtige Verballhornung des "Lohengrin" inszenierte, lieferte im vorigen Sommer in Bayreuth eine nicht minder ärgerliche Inszenierung der "Meistersinger" ab. Die Farbenspiele dieser Dame sind schlechtestenfalls eine sympathische Marotte. Das einzig bekloppte ist der Umstand, dass viele Festspielbesucher gar nicht merken, dass sie von den meisten Regisseuren - höflich ausgedrückt - nicht ernst genommen werden.

[Text: H.M.; Bild: Wikipedia.org/JosefLehmkuhl; Lizenz: CC BY-SA 3.0]