Wenn Europa ein globaler Akteur sein will, müsse sich Europa auch wie ein solcher Verhalten, sagte der frühere türkische Staatspräsident Abdullah Gül in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Damit meinte er allerdings nicht, dass die EU in Krisenherden als (militärische) Ordnungsmacht auftritt. Stattdessen sagte der frühere politische Weggefährte des heutigen islamistischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, im Nahen Osten würden Staaten wie Syrien oder der Irak zerfallen, was zu „unendlich vielen menschlichen Dramen“ führte, weshalb die EU handeln müsse: „Europa muss hier zeigen, dass es Verantwortung übernimmt, hilft, Flüchtlinge aufnimmt.“

Gerade an der Lage in Syrien trägt auch die Türkei mit Schuld. Wegen ihrer tiefsitzenden Phobie, die syrischen Kurdengebiete könnten sich mit jenen im Irak zu einem Kurdenstaat zusammenschließen, unterstützt Ankara die Islamisten.

Zu den Beitrittsverhandlungen der Türkei mit Brüssel sagte Gül, die EU habe offenbar kein Interesse mehr, das islamische kleinasiatische Land aufzunehmen. Dies sei aus seiner Sicht ein „schwerer Fehler“, da die Türkei für die EU ein „strategischer Gewinn“ wäre.

 

B. T.

 

 

(Bild: Halifax International Security Forum/wikimedia.org)