Am 5. Juni brachen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain, Jemen und Libyen die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Das Scheichtum am Persischen Golf, das in etwa so groß wie Oberösterreich ist, sei für die Instabilität in der Region verantwortlich, weil es Terrororganisationen finanziell unterstütze, lautete die offizielle Begründung. Tatsächlich unterstützt Doha in Ägypten die Moslembruderschaft, die islamistische Hamas im Gazastreifen und verschiedene dschihadistische Gruppen in Syrien.

Der Vorwurf der Terrorunterstützung ist jedoch nur ein Vorwand, zumal gerade Saudi-Arabien der wichtigste Förderer islamistischer Aktivitäten ist, wie von der Enthüllungsplattform WikiLeaks im Jahr 2010 veröffentliche Dokumente der US-Regierung belegen. In einem Dokument, das im Dezember 2009 an die damalige Außenministerin Hillary Clinton geschickt wurde, ist zu lesen: „Es bleibt eine Herausforderung, saudische Offizielle davon zu überzeugen, von Saudi-Arabien ausgehende Terrorfinanzierung als strategische Priorität zu behandeln.“ Zudem stellten saudische Geldgeber „die wichtigste Quelle der Finanzierung von sunnitischen Terrorgruppen weltweit dar“.

Der schweren diplomatischen Krise vorausgegangen war ein mutmaßlicher Hackerangriff auf die staatliche katarische Nachrichtenagentur KNA, der im April begonnen haben soll. Ein Monat später wurde eine angebliche Erklärung von Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani veröffentlicht, in der die Hamas als „legitime Vertretung des palästinensischen Volkes“ bezeichnet und der Iran als strategischer Partner für seine Nachbarstaaten empfohlen wurde. Saudi-Arabien ist wiederum der große Rivale Teherans um die Vorherrschaft in der Region, und bei seinem Besuch in Riad Anfang Mai fiel US-Präsident Donald Trump vor allem durch seine anti-iranische Rhetorik auf.

Trump und seinem iranfeindlichen außenpolitischen Umfeld, allen voran Verteidigungsminister James Mattis, dürfte nicht entgangen sein, dass Katar seine Beziehungen zum Iran in letzter Zeit deutlich verbessert hatte.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

[Bild: Sebbe xy/wikimedia.org]