Der Senat der Greifswalder Universität hat in der vergangenen Woche entschieden, den Namen der Hochschule zu ändern. Künftig soll sie nach dem Willen der 36 Mitglieder des Senats nur noch Universität Greifswald heißen. Der bisherige Namensgeber Ernst Moritz Arndt (1769–1860) sei wegen zahlreicher Äußerungen zu umstritten. Der Historiker und Schriftsteller Arndt lehrte im 19. Jahrhundert in Greifswald. Der Entscheidung des Senats muss das Kultusministerium allerdings noch zustimmen.

Eine Zwei-Drittel-Mehrheit der jeweils zwölf Professoren, Mitarbeiter und Studenten des Senats sprach sich für einen Verzicht auf den Namenszusatz aus. Den Antrag auf Streichung des Namens hatten die zwölf studentischen Mitglieder im Senat eingebracht. Sie argumentierten, dass das Festhalten an Arndt die angestrebte verstärkte Internationalisierung und die Darstellung der Uni als Ort einer fortschrittlichen Wissenschaft erschwere. Dem Antrag auf die Namensänderung steht indes eine Abstimmung unter der Studentenschaft von vor sechs Jahren gegenüber, in der sich eine große Mehrheit für die Beibehaltung des Namens aussprach. Es dürfte aber nichts Neues sein, dass sich gewisse Kreise nicht um demokratische Voten scheren, wenn es nicht in ihr Weltbild passt.

Als eines der Hauptargumente der modernen Bilderstürmer mussten die Umstände der Namensgebung herhalten. Seit 1933 – dem Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten – trägt die Hochschule den Namen von Ernst Moritz Arndt. Hermann Göring hatte in seiner Funktion als preußischer Ministerpräsident der Universität den Namen des Publizisten verliehen. Allerdings haben selbst die SED-Machthaber während der „DDR“-Zeit nie Anstoß an Arndt genommen, weshalb die Uni auch ihren Namen unter der roten „antifaschistischen“ Diktatur behalten durfte.

 

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