Jair Bolsonaro hat in der ersten Wahlrunde der Präsidentenwahl nur knapp die absolute Mehrheit verpasst und muss damit in die Stichwahl. 46,2 Prozent der Brasilianer stimmten für den rechtskonservativen Kandidaten, sein linker Kontrahent Fernando Haddad erreichte 28,9 Prozent. Die übrigen Bewerber waren chancenlos. Bolsonaro ist das Hassobjekt der Linken, ihm werden laufend frauenfeindliche und homophobe Aussagen vorgeworfen.

Tatsächlich hat die Ablehnung Bolsonaros durch das politisch korrekte Gutmenschentum eine andere Ursache. Denn der 63-jährige Politiker vertritt gesellschaftspolitisch eindeutige Positionen. Eine sogenannte Ehe für Homosexuelle lehnt er ebenso entschieden ab wie Abtreibungen oder die Bevorzugung von Minderheiten. Zudem will er die Staatsbetriebe, die oftmals ein Hort von Korruption und Misswirtschaft sind, schließen.

Interessanterweise hat der als frauen- und minderheitenfeindlich Geschmähte aber ausgerechnet auch unter diesen Gruppen zahlreiche Anhänger. So war Sonntagabend in einer Nachrichtensendung des ZDF ein Brasilianer mit schwarzer Hautfarbe zu sehen, der Bolsonaro in den höchsten Tönen lobte. Offenbar haben die ärmeren Bevölkerungsschichten genug von der in zahlreiche Korruptionsskandale verstrickten linken Arbeiterpartei, die in den vergangenen Jahren die herrschende politische Kraft war.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Fabio Rodrigues Pozzebom/Agência Brasil; Lizenz: CC BY 2.0]