Ex-Außenminister Boris Johnson war einer der führenden Köpfe bei der Kampagne für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Nun tritt Johnson für einen „harten Brexit“ ein, also für einen EU-Austritt ohne ein Abkommen mit Brüssel. Und der Politiker mit der blonden Haarpracht ist und bleibt einer der schärfsten Kritiker von Premierministerin Theresa May. So verglich er in seiner jüngsten Kolumne in der Zeitung „Daily Telegraph“ die Brexit-Verhandlungen mit einem Wrestling-Kampf, bei dem der Sieger schon vorher feststeht.

„Ich fürchte, das unausweichliche Ergebnis ist ein Sieg für die EU“, schrieb Johnson. Zudem fürchtet der prominente May-Kritiker, London werde „flach auf der Matte“ liegen, „mit zwölf Sternen, die symbolisch über unseren halb bewusstlosen Kopf kreisen“.

Tatsächlich ist Brüssel bei den Brexit-Verhandlungen in der weitaus stärkeren Position, weil die konservative Premierminister May einen „harten Brexit“ unbedingt vermeiden will. So stellte sie im Juli – gegen den Willen der EU-Gegner in den eigenen Reihen – einen Plan vor, wonach London für die Zeit nach dem Austritt eine Freihandelszone mit der EU für Güter und Agrarprodukte anstrebt. Und weil die Zeit bis zum tatsächlichen Ausscheidens Großbritanniens aus der EU am 29. März 2019 immer knapper wird, fürchten die Brexit-Befürworter, dass sich May einem Diktat Brüssels beugen wird. Als besonderer Knackpunkt bei den Brexitverhandlungen erweist sich die Frage der irisch-nordirischen Grenze, die nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs zur EU-Außengrenze wird.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/EU2018BG Bulgarian Presidency; Lizenz: CC BY 2.0]