Sein Umfaller in der Türkei-Frage beim EU-Gipfel in Pressburg hat ihm Häme und Glaubwürdigkeitsverlust in der EU und in deutschen Medien eingebracht.

Nun aber geht es um mehr. Sollte er mit einem Veto das Zustandekommen des Handelsabkommens mit Kanada nicht verhindern, bekommt er ernsthafte Probleme mit seiner eigenen Partei. Vollmundig und in der Überzeugung, damit bei der Parteibasis punkten zu können, ließ er eine Umfrage bei SPÖ-Mitgliedern durchführen, ob Österreich dem CETA-Abkommen zustimmen solle oder nicht. Und er würde sich an die Entscheidung halten, hatte er am Beginn der Umfrage versprochen.

Diesem Aufruf sind über zwanzigtausend Personen, drei Viertel davon waren SPÖ-Mitglieder gefolgt. Und das Ergebnis ist eindeutig. Über 90 Prozent sind gegen einen Abschluss des Handelsabkommens.

Will Kern nicht den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit verlieren und wortbrüchig werden, muss er im November, wenn es zum Abschluss des an sich fertig ausverhandelten Abkommens kommt, die Unterschrift Österreichs verweigern. Wetten, dass er sich dies auch traut, nimmt aber wohl kein Buchmacher an.

 

[Text: W. T.; Bild: Twitter]