Die zu wuchernden Metropolen wachsenden mitteleuropäischen Großstädte verlieren die Kontrolle über sich selbst. Wo Wohnraum und Arbeitsplatz immer weiter voneinander getrennt werden, muss die Stadtplanung mit dem gesellschaftlichen Wandel nun gegen Gentrifizierung genauso kämpfen wie gegen Ghettoisierung.

Der fordistische Lösungsansatz, die oftmals miserablen Lebensbedingungen zu verändern, die noch vor weniger als hundert Jahren in vielen Städten herrschten, sah vor allem die räumliche Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten vor. Der Bau von Wohnsiedlungen gehörte da genauso dazu, wie die Anpassung der städtischen Verkehrswege zur sogenannten autogerechten Stadt und den Abriss mittelalterlicher Kerne.

Der Aufschwung der Großstadt, die Anfang des Jahrhunderts noch in Kunst und Literatur als neuartiges Phänomen gefeiert wurde, entwickelte sich in den 1970er Jahren zu einer unwirtlichen Welt, die aber durch den Aufschwung der Nachkriegsjahre einen beachtlichen finanziellen Spielraum durch Steuereinnahmen verbuchen konnte. So entstanden auf ungenutzten Flächen schnell weitläufige Industriegebiete, Wohnparks und Areale, die nur für Einkaufszentren angelegt wurden. Verbunden wurden diese Sektoren durch weiträumige Verkehrsadern, um den reibungslosen Ablauf automobilen Verkehrs zu garantieren.

Die Mittelschicht wuchs rasant und mehrere Generationen übergreifende Anstellungsverhältnisse gaben eine gewisse Planungssicherheit zur Familiengründung. Man konnte langfristige Kredite aufnehmen und sich den Wunsch nach einem Eigenheim am Stadtrand erfüllen. So setzten umfangreiche Suburbanisierungsprozesse ein. Viele Städte wuchsen durch den enormen Platzbedarf rasant.

Diese führt durch den immer neuen Bau von Trabantenstädten zur sogenannten Exurbanisierung; der geplanten Verstädterung von zuvor ländlichen Gebieten. Bereits zuvor hat es vor allem ökonomische Konflikte gegeben zwischen den Bewohnern des Stadtkerns und denen der Randgebiete. Während in den innerstädtischen Bereichen meist die Arbeiterschicht lebte, waren die Hausbesitzer am Stadtrand eher im Dienstleistungssektor beschäftigt. Der Lebensstandard der Bewohner im innerstädtischen Bereich wuchs nicht im gleichen Maße mit dem Rest der Bevölkerung – in vielen Vierteln kam es verstärkt zur Ghettoisierung – der räumlichen Fragmentierung ethnischer und sozialer Gruppen.

 

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[Bild: NASA]