Der Chefökonom der Bank of England, Andy Haldane, rechnet damit, dass die britische Notenbank bald Negativzinsen einführen wird. Seit nunmehr sechs Jahren stehen in Großbritannien die Leitzinsen bei 0,5 Prozent. Bei einer Rede in Nordirland sagte Haldane, das schwache Wirtschaftswachstum zwinge die Zentralbank zu diesem Schritt, zumal die alternde Bevölkerung, schwache Investitionen und zunehmende Ungleichheit Gefahren für die britische Wirtschaft darstellten. Und Haldane fügte, wie der „Telegraph“ berichtet, hinzu: „Diese Faktoren sind keine Trugbilder. Keiner von ihnen wird rasch verschwinden.“

Die Bank of England will die Menschen zu mehr Konsum anregen und die Inflationsrate in die Höhe treiben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das derzeitige Inflationsziel von zwei Prozent stamme aus einer Zeit, als die Leitzinsen näher bei sechs Prozent als bei 0,5 Prozent lagen. Deshalb sei es notwendig, das Inflationsziel auf vier Prozent zu verdoppeln, argumentiert Haldane.

Nachdem nun die Politik der Geldschwemme nicht den erhofften Erfolg gebracht habe, müsste es nun Negativzinsen geben. Allerdings gibt es dabei ein großes Problem: Bei Negativzinsen heben die Menschen ihr Geld ab und horten es zuhause. „Das könnte das Wirtschaftswachstum verlangsamen anstatt zu beflügeln. Um das Problem des Geldhortens zu lösen, könnte die Abschaffung des Bargeldes notwendig sein“, sagte Haldane.

Haldane ist nicht der einzige einflussreiche Ökonom, der über die Abschaffung des Bargelds spricht. Auch der ehemalige Chef-Ökonom der Weltbank Larry Summers und der deutsche „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger sprachen sich schon öffentlich für eine Abschaffung des Bargeldes aus.

 

B. T.

 

 

(Bild: Bank of England)