Das chinesische Regierungsviertel glich zuletzt einem bombastischen Farbenmeer. Chinas Führung hatte nämlich 53 afrikanische Staats- und Regierungschefs ins Reich der Mitte zu einem Wirtschaftsgipfel eingeladen. Und deren Nationalflaggen wehten entlang der eleganten Prachtallee Chang‘an, wie es in Peking bei Staatsbesuchen Tradition ist. Die Partei bot alles auf, was die Hauptstadt an Superlativen zu bieten hatte, um den afrikanischen Gästen Chinas wirtschaftliches Engagement am schwarzen Kontinent zu demonstrieren. Schon 2010 ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation für viele afrikanische Staaten zum wichtigsten Kreditgeber und Handelspartner aufgestiegen. 3.200 chinesische Firmen verfügen in Afrika über eine Niederlassung. Die Zahl der auf afrikanischem Boden ansässigen Festlandchinesen wird auf rund zwei Millionen geschätzt.
Das von Staats- und Parteichef Xi Jinping bei der Eröffnungsrede vorgestellte Investitionsprogramm bezeugt eindrucksvoll die enorme Bedeutung Afrikas für die chinesische Wirt-schaft, die in den nächsten drei Jahren rund 60 Milliarden Dollar an Investitionen in die afrikanischen Volkswirtschaften pumpen möchte. Seit dem Ende der 1990er Jahre, als die kommunistische Führung ihre nationale Wirtschaftspolitik in Richtung Wettbewerb und Globalisierung zu steuern begonnen hatte, ist das chinesische Wirtschaftsvolumen in Afrika auf 170 Milliarden Dollar angewachsen.
Es liegt damit deutlich höher als das der USA und der EU. Pekings Parteispitze setzt auf Sympathie und will Chinas schlechtes Image in Afrika verbessern, wo Chinesen als Ausbeuter angesehen werden, die nach der Manier ehemaliger europäischer Kolonial­mächte nur an afrikanischen Bodenschätzen interessiert sind.
Diesen Vergleich will Peking so nicht unbeantwortet im Raum stehen lassen. Im Vordergrund steht für China nach Meinung des deutschen Entwicklungsministers Gerd Müller (CSU) deshalb eine nachhaltige Gestaltung der Globalisierung, um sich längerfristig am afrikanischen Kontinent als Partner etablieren zu können.
Wirtschaftspolitische Perspektiven, die darauf abzielen, fremde Regionen auszubeuten und Märkte zu erobern, um Gewinne zu maximieren, treten zunehmend in den Hintergrund. Wirtschaftsexperten von der amerikanischen John-Hopkins-Universität in Washington relativieren diese Kritik. Sie konnten zeigen, dass der Rohstoffabbau
66 Prozent der US-amerikanischen Investitionen ausmacht, während der der Chinesen bei lediglich 28 Prozent liegt. China tut viel, um sein Ansehen zu steigern. Immerhin begrüßen nach einer Studie des Pew-Instituts 70 Prozent der befragten Afrikaner das gesteigerte soziale Engagement Chinas...

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[Text: P.W.; Bild: cgtn.com]