Christian Konrad sonnt sich gerne im Lichte der Öffentlichkeit. Ob einst als einflussreicher, hochgedienter Raiffeisen-General und Landesjägermeister, oder später, als gescheiterter Flüchtlingskoordinator der abgewählten Bundesregierung - er lässt kein Blitzgewitter aus. Und nun tritt er Seite an Seite mit „Django“ Reinhold Mitterlehner bei Benefiz-Matineen auf und gibt Fernsehsehinterviews. So auch kürzlich in der ZIB2, wo er sich zu einer geradezu skandalösen Entgleisung hinreißen ließ.

Zunächst merkte er an, die Flüchtlingsströme hätten „dramatisch abgenommen“. Sehr dramatisch. Die Flüchtlingsströme haben also abgenommen – entsetzlich! Wer besetzt jetzt nur all unsere leeren Stellen! Anschließend verkündete er in heilserlösender Manier, er wolle „die Menschlichkeit zum Durchbruch bringen“. Die Österreicher sind also unmenschlich – schließlich haben sie nur einige läppische Milliarden ihres Steuergeldes für Asylanten aufgewandt – doch jetzt kommt Christian Konrad und sagt uns, wie’s geht! Hurra! Begründung: Er halte es für „ungerecht, alle die fremd sind, zu verdächtigen.“ Tut zwar niemand, aber macht ja nix.

Dann weiter: „Die Wirtschaft braucht immer wieder Zuzug.“ Die Wirtschaft, lieber Herr Konrad, wäre längst ausgelastet, wenn nicht einzelne Bundesländer Arbeitslose mit Höchstsicherungen durch die Jahre schleusten.

Und weiter: Die Migration sei „nicht nur eine soziale Frage, sondern auch eine stark ökonomische.“ Aha, sieh an, sieh an! Daher weht also der Wind! Die Wirtschaft braucht Material. Preiswerte Arbeitssklaven sind gesucht. Verräterisch auch der Nachsatz: „Solang sie nicht arbeiten dürfen, fallen sie uns zur Last, kosten sie Geld.“

Der Höhepunkt aber kam zum Schluss: Angesprochen auf die letztwöchigen Mordserien mit maßgeblich ausländischen Täterschaften entgegnete er: Er wisse, dass „aktuelle Anlässe immer genommen werden, um generell das Problem auf die Fremden zu legen.“ Das sei „nicht richtig“. Es habe leider immer Kriminalfälle gegeben und es gebe genauso viele Fälle mit inländischen Täterschaften. Schlecht recherchiert! Glatt falsch, Herr Konrad. Zuerst bitte die Statistik, dann die Kamera – nicht umgekehrt! Korrigiert selbst vom ORF-Moderator (!), dass die Statistik bei gewissen Zuwanderungsgruppen eine weitaus höhere Beteiligung erkennen lässt, entgegnete der Herr Bankier, das werde wohl an den „schlechten Unterbringungen“ liegen.

Aha, und wer ist für diese schlechten Unterbringungen verantwortlich – wenn schon nicht der „Flüchtlingskoordinator“? Heißt im Klartext: Weil die bösen Österreicher die armen Flüchtlinge so schlecht unterbringen, stechen sie halt einen nach dem anderen ab. Kann man ja nix machen…

[Text: A.L.; Bild: wikipedia.org/Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0]