Ende Oktober erschien als Band 36 der Reihe „Der Papyrus des Cäsar“, getextet von Jean-Yves Ferri, mit Zeichnungen von Didier Conrad ausgestattet. Als Nachfolger von René Goscinny und Albert Uderzo präsentierten die beiden das nunmehr zweite Ergebnis ihrer Zusammenarbeit. Zuvor war bereits „Asterix bei den Pikten erschienen“, nachdem der seit dem Tod Uderzos 1977 allein verantwortliche René Goscinny 2008 entschied, keine weiteren Abenteuer zu veröffentlichen.

Der Erfolg der Reihe ist ungebrochen, und das mag neben der Struktur der Erzählungen, die zumeist vom Kampf der Unbeugsamen gegen die römische Übermacht handelt, auch an der völligen Unbekümmertheit der Autoren gegenüber Erscheinungen der politische Korrektheit liegen. Somit ist der Kampf der Gallier gegen Rom nicht nur auf einer machtpolitischen Ebene antiimperialistisch orientiert, auch die Pseudoethik des imperium americanum, eben die politische Korrektheit, wird in Wort und Bild ignoriert: (Ehe)Frauen sind nervtötend, Frauen im Allgemeinen erweisen sich höchstens im Falle des Vorliegens körperlicher Vorzüge als beachtenswert – werden dann aber auch Greisen gegönnt. Dicke sind dumm, kakophonisch orientierte zeitgenössische Künstler werden verdroschen, afrikanische Sklaven oder Piraten können sich überhaupt nicht bis schlecht artikulieren und weisen stark überbetonte Lippenpartien auf. Darüber hinaus wird Migranten bloß vorübergehender Schutz vor politischer Verfolgung in der sonst ethnisch völlig homogenen Dorfbevölkerung gegönnt, eine Vermischung findet nicht statt. Ganz im Gegensatz zum amtierenden Bundeskanzlerdarsteller der Republik Österreich und sonstigem Politpersonal hat man auch überhaupt nichts gegen Zäune, deren Tore sich bei Gefahr noch dazu schließen lassen. Der Chef ist nicht sakrosankt, das Delikt der Majestätsbeleidigung existiert nicht, die Gesellschaft prädemokratisch strukturiert.

 

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Bild: Lin Mei/Flickr