Es war eine äußerst knappe Sache, die Hillary Clinton vor einem Debakel bewahrte. Mit gerade einmal 0,2 Prozentpunkten Vorsprung (49,8 zu 49,6 Prozent) konnte sich die frühere US-Außenministerin und Präsidentengattin bei den Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat Iowa gegenüber ihrem innerparteilichen Rivalen Bernard „Bernie“ Sanders durchsetzen. Zwar werden in Iowa nur ein Prozent der Delegiertenstimmen der Demokraten vergeben, aber dass sich Sanders in dem konservativen, agrarisch geprägten Bundesstaat im Mittleren Westen behaupten konnte, gilt als Warnsignal an das politische Establishment in Washington.

Sanders, ein 74jähriger Senator aus dem Bundesstaat Vermont, bezeichnet sich selbst als „Sozialist“ – ein Begriff, der im Polit-Betrieb in Washington als Schimpfwort verwendet wird. Nach europäischem Verständnis ist er hingegen eher als Sozialdemokrat einzustufen. So ist Sanders ein Verfechter von Homo-Ehe und lockeren Einwanderungsgesetzen und fordert eine staatliche Krankenversicherung nach europäischem Vorbild.

Besonders punkten kann Sanders aber mit seiner Kritik an der Verfilzung zwischen Großkapital und Politik. Folglich lautet einer seiner Wahlkampslogans, „das große Geld aus der Politik herauszuhalten und die Demokratie wiederherzustellen“. Denn im Jahr 2016, mit einem „System der Wahlkampffinanzierung, das zunehmend von Milliardären und Spezialinteressen kontrolliert wird“, fürchtet er „sehr stark, dass in den Vereinigten Staaten die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk verschwindet“. Diese Kritik sowie die Forderung nach einer stärken Regulierung der Finanzmärkte sind auch an seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton gerichtet, die als „Kandidatin der Wall Street“ gilt.

 

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[Bild: Gage Skidmore/Flickr]