Im Herbst wird das dänische Parlament über ein Verbot der Beschneidung bei Buben und männlichen Jugendlichen beraten. Dies ist notwendig, weil mehr als 50.000 Dänen eine entsprechende Petition unterschrieben haben. Begründet wird die Forderung, religiös motivierte Beschneidungen erst ab einem Alter von 18 Jahren, also mit Erreichen der Volljährigkeit zuzulassen, mit den „Grundrechten der Kinder“.

Die Parlamentarier sind über die Gesetzesinitiative geteilter Meinung. Außenminister Anders Samuelson erklärt, „wir wären damit alleine und das erste Land der Welt, welches diese Richtung einschlägt“. Ihm zufolge mache das Dänemark „verletzlich, und es bedeutet, dass die Verbündeten, die uns normalerweise in einer brenzligen Situation helfen, in dieser Situation nicht auf unserer Seite stehen werden.“ Offenbar fürchtet Samuelson, sollte sich das Folkething für das Beschneidungsverbot aussprechen, dass Dänemark wieder einmal den Zorn der (radikalisierten) islamischen Welt zu spüren bekommt. Im Jahr 2005 gab es in zahlreichen islamischen Ländern antidänische Ausschreitungen, weil eine dänische Zeitung Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte.

Völlig anderer Meinung ist Naser Khader, der Menschenrechtssprecher der Konservativen Partei, die Teil der dänischen Regierung ist. Der Einwanderer aus Syrien weist darauf hin, dass ein Beschneidungsverbot „die Rechte der Kinder über die religiösen Rechte der Kinder stellen wird“. Überhaupt werde Khader zufolge den religiösen und kulturellen Rechten der Eltern zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einer vom dänischen Sender TV2 in Auftrag gegebenen Umfrage befürworten übrigens 83 Prozent eine Altersbegrenzung bei der Beschneidung von Buben.


[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/dbking; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic]