Es war einmal ein Zentrum des Kulturaustauschs und der Völkerverständigung: das Deutsch-Russische Haus (DRH) in Königsberg. Gebaut 1992–93 im Rahmen eines Partnerschaftsprogrammes der deutschen und der russischen Regierung und bezahlt aus Mitteln des deutschen Bundes-Innenministeriums, hatte es das Ziel, die Völker Russlands und Deutschlands einander näherzubringen, Treffpunkt der im Gebiet lebenden Russlanddeutschen zu werden und allen an der deutschen Kultur interessierten Bewohnern des Gebiets eine Anlaufstelle zu bieten. Dies schaffte es auch über 20 Jahre lang vorbildlich – dank seines Leiters Viktor Hoffmann.

Der Sohn eines Russlanddeutschen und einer Don-Kosakinwurde 1989 Vorsitzender der „Gesellschaft der deutschen Kultur und der Rußlanddeutschen ‚Eintracht‘ / ‚Soglasije‘“, die bald zum Hauptträger des DRH werden sollte. Die „Eintracht“ engagierte sich mit Hilfe vertriebener Ostpreußen humanitär, insbesondere für Übersiedler aus Mittelasien.

Für die Russlanddeutschen gab es Sprachkurse und Kulturveranstaltungen, die aber auch anderen Interessierten offenstanden. Die Moskauer und Königsberger Behörden waren daher vom Wirken des DRH stets angetan und gewährten ihm neben dem deutschen Bundesinnenministerium eine zusätzliche Förderung.

In Verruf geriet das DRH erst durch einen Affront des bundesdeutschen Vizekonsuls in Königsberg, Daniel Lissner, der sich im August 2014 auf einem Gedenkabend zur Deportation der Wolgadeutschen im DRH während eines Grußwortes dazu verstieg, in einer NATO-propagandistischen Tour de force eine „Annektion der Krim“ durch Russland zu geißeln, von einem russischen Einmarsch in der Ostukraine zu fabulieren, dem Gaststaat einen totalitären Regierungsstil zu bescheinigen und die Anwesenden aufzufordern, ihr Land möglichst umgehend zu verlassen.

Diese Unverschämtheit sorgte für erheblichen Unmut bei den Vertretern des DRH. Erfreulicherweise zeigte die russische Diplomatie damals mehr Fingerspitzengefühl als ihr deutscher „Kollege“, indem sie sich in der Sache nicht öffentlich äußerte und dem Auswärtigen Amt Gelegenheit gab, seinen Vertreter „auf eigenen Wunsch hin“ gesichtswahrend aus Königsberg abzuziehen.

Leider hatte man die Vorkommnisse nach Moskau weitergemeldet, wo sich die Behörden seit 2012 um die Erfassung sogenannter ausländischer Agenten kümmern. Dies sind nach dem Gesetz Einrichtungen, die sich in Russland politisch betätigen und dazu überwiegend auf ausländische Mittel zurückgreifen. Verboten werden sie nicht, sie müssen sich allerdings in einem zentralen „Register Ausländischer Agenten“ registrieren oder werden dort zwangsregistriert, falls sie dies nicht selber tun.

Angesichts von tausenden aus dem Ausland finanzierter Nichtregierungsorganisationen, die sich im Kern mit der Zersetzung Russlands beschäftigen, kann man das Gesetz nur als sinnvoll bezeichnen, und in aller Regel erfolgt seine Anwendung auch ausgesprochen sachgerecht.

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[Bild: Archiv Stiftung Königsberg]