Man kann sich noch gut an die Jubelrufe diverser deutscher Konzernbosse erinnern, die noch vor wenigen Wochen die großen Chancen beklatschten, die durch die mit jungem und dynamischem Geist beseelten Flüchtlinge entstehen. Voll von unternehmerischem Geist wären sie, und man würde alles tun, um sie rasch im Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Realität schaut freilich ganz anders aus!

Mehr als zwei Drittel der Asylsuchenden haben nach Angaben der deutschen Bundesarbeitsagentur für Arbeit „keine formale Qualifikation“ bzw. keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Nach Studien der OECD verfügen 65 Prozent der Syrer – der größten Asylantengruppe – nicht über die notwendigsten Grundkompetenzen der Pisa-Kompetenzstufe 1. „Im Grunde sind es Analphabeten“, meinte der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen, wenn er vom Bildungsniveau der syrischen Asylanten spricht. Der niederländische Chef des Bayer-Konzerns, Marijn Dekkers, bemerkte schon im November des Vorjahres: „Bis die große Mehrheit der Asylsuchenden wirklich unabhängig von staatlicher Hilfe sein wird und eigenes Einkommen verdient, werden mindestens 15 Jahre vergehen“.

Er sagte das bereits, als seine Kollegen, etwa wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, noch von den dringend benötigten Fachkräften faselten, die angeblich nun kämen. Doch den großen Worten folgten bloß mickrige Taten. Gerade mal 40 Asylanten wurde im Daimler-Konzern ein Praktikum ermöglicht. Das sind weniger als 1 Prozent aller Lehrlinge. Auch der VW-Konzern bietet nur 230 Praktikumsstellen für Asylsuchende an. Wenn man bedenkt, dass VW immerhin 270.000 Mitarbeiter in der Bundesrepublik beschäftigt, ist das nicht sehr viel. Es zeigt sich also das übliche Bild. Die einen jubeln während die anderen bezahlen.

Immerhin werden laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft die Kosten allein für Unterbringung und Verpflegung in den nächsten zwei Jahren 55 Milliarden Euro betragen. Wo hier der wirtschaftliche Nutzen sein soll, muss erst einmal einer erklären. Doch die Situation wird sich auch langfristig kaum bessern, denn nach Angaben der Münchner Handwerkskammer haben während eines Modellversuchs fast 70 Prozent der Auszubildenden aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die eine zweijährige Lehre begonnen hatten, diese frühzeitig wieder abgebrochen. Sie arbeiteten lieber als Hilfsarbeiter für ein paar Euro, als mühsam die Schulbank zu drücken. Wo also die vom „unternehmerischen Geist“ durchdrungenen neuen „Leistungsträger“ sein sollen, weiß wohl niemand.

 

[Text: H. W.; Bild: Joachim Seidler, photog at/flickr]