Demokratie ja, aber nur, wenn das gewünschte Ergebnis herauskommt. So lässt sich das Demokratieverständnis der Sozialistischen Jugend (SJ), der Jugendorganisation der SPÖ, beschreiben. Auf Facebook solidarisiert sich die SJ-Wien mit der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich und postet dazu ein Bild, auf dem in deutscher und französischer Sprache zu lesen ist: „Nieder mit der schwarz-blauen Regierung!“. Dass bei der Nationalratswahl 2017 ÖVP und FPÖ zusammen 57,5 Prozent der Stimmen und damit eine klare Mehrheit erreichten, scheint die Parteijugend der größten Oppositionskraft nicht näher zu interessieren.

Überhaupt steht bei der SJ der „Widerstand“ gegen Türkis-Blau hoch im Kurs. So wird auf verschiedenen Internetseiten und in sozialen Medien zu einschlägigen Kundgebungen aufgerufen. Einfach nur gegen etwas zu sein, ist schließlich leichter als konstruktive Arbeit.

Zudem versinkt die SJ, zumindest die Wiener Landesgruppe, im kommunistischen Sumpf. Anfang November wurde ein Artikel ins Internet gestellt, in welchem die Oktoberrevolution vor 101 Jahren in den höchsten Tönen gelobt wird. Schließlich habe die Arbeiterschaft, „angeführt durch die Partei der Bolschewiki, die Macht in Russland übernommen“. Und „in weiterer Folge etablierte sich mit der Sowjetunion der erste realsozialistische Staat“.

Auch lassen die Jungsozis wissen, dass mit der Gründung der Sowjetunion 1922 „erstmals das Proletariat die Macht in einem Staat auf längere Zeit erobern und verteidigen konnte“. Der Kapitalismus sei „nicht länger unüberwindbar“ gewesen, und zugleich wird darüber geklagt, dass seit dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre „kein Modell gibt, das dem Kapitalismus in der öffentlichen Wahrnehmung gegenübersteht“. Wie das sowjetkommunistische „Gegenmodell“ aussah, ist hinlänglich bekannt: Der reale Sozialismus kostete nicht nur Millionen Menschen gewaltsam das Leben, sondern brachte auch Armut und Elend.

[Text: B.T.; Bild: Facebook/SJ Wien]