Offenbar greift der „12-Stunden-Tag“ doch nicht so hart, wie anfangs von der rot-grünen Funktionärsklientel befürchtet. Andernfalls hätten die klagenden Herrschaften weder Kraft noch Muße, bei eisigen Wintertemperaturen einen ganzen Samstag lang die Wiener Mariahilfer Straße zu verstopfen. Mit Mikros, Trillerpfeifen und Verstärker stimmte man die ansässige Stadtbevölkerung besinnlich auf die bevorstehende Weihnachtszeit ein.
Zwar lässt sich der genaue Anlass für die feucht-fröhliche Zusammenkunft verhaltensorigineller Spaziergänger nicht eruieren, vermutlich bekundeten sie allerdings ihre Solidarität mit den Maßnahmen der amtierenden Bundesregierung. Vielsagende Plakate wie „Alle Menschen haben Rechte“ oder „Bürgerrecht statt Bankenrecht“ säumten die Straßenflüchte. Wie fein! Eine Demo gegen Abtreibung und EU-Bankenrettung! Da hätte man glatt mitmarschieren können!
Besonders häufig aber schimmerte ein Transparent mit der mahnenden Aufschrift: „Lasst Nazis nicht regieren“ durch. Nichts gegen geschichtsbewusste Bürger; aber nach fast 50 Jahren könnte man das Ministerkabinett des guten, alten Kreisky doch wohl endlich in Frieden ruhen lassen! Jetzt, wo die SPÖ ohnehin grad zu Tode erodiert.
Dennoch sollten sich die Organisatoren dieser vorweihnachtlichen Adventsversammlung das nächste Mal nicht mehr in einer leeren Fußgängerzone zusammenfinden. Damit die Öffentlichkeit auch Kenntnis nehmen kann von ihren wachsamsten Geistern. Sonst haben die armen Seelen stundenlang umsonst gefroren…

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Bwag; Lizenz: CC BY-SA 4.0]