Unangenehme Nachrichten gibt es für den Front National (FN). Die Societe Generale, die zweitgrößte Bank Frankreichs, teilte der von Marine Le Pen geführten patriotischen Partei mit, man wolle die seit 30 Jahren währende „Bankbeziehung“ beenden. Besondere Gründe für die Aufforderung, die Konten aufzulösen, gab es nicht, wie die britische Zeitung „The Guardian“ schreibt. Ein FN-Sprecher sagte einem Radiosender: „Das ist ein echter Skandal. Wir werden uns dem widersetzen und gegen die Verfolgung kämpfen“.

Tatsächlich scheint die Geschäftspolitik der Societe Generale politisch motiviert zu sein. Denn die Konten des FN sollen – was dieser vehement bestreitet – tief im roten Bereich liegen. Grund dafür sind vor allen die kostspieligen Wahlkämpfe für die Präsidenten- und die Parlamentswahl im Frühjahr. Dem Front National seine Schulden fällig zu stellen könnte die Partei in eine ernste Existenzkrise stürzen. Umgekehrt scheint die Societe Generale gegenüber einem anderen Kunden, den konservativen Republikanern, der größten Oppositionspartei Frankreichs, äußerst nachsichtig zu sein. So meint FN-Schatzmeister Wallerand de Saint Just, wenn die Schulden seiner Partei der Grund sei, warum die Societe Generale die Geschäftsbeziehung beenden wolle, warum dann diese Bank nicht die Auflösung der Konten der mit 50 Millionen Euro in der Kreide stehenden Republikaner verlange.

FN-Vizepräsident Louis Aliot wirft daher einer „bestimmten Anzahl von Finanzinstitutionen“ vor, „Schwierigkeiten mit Demokratie und Pluralismus“ zu haben. Außerdem müsse „Frankreich wissen, dass die Demokratie in den Händen der Banken und jenen ist, die Geld haben“. Parteichefin Marine Le Pen selbst sprach davon, dass „die französische Demokratie von Finanz-Oligarchen bedroht wird“.

 

[Text: B. T.; Bild: Mohamed Yahya/flickr]