Mit Andreas Khol zieht eine der integersten Persönlichkeiten aus dem ÖVP-Spektrum ins Rennen um die Hofburg. Aus einer Familie aus südtiroler Bauernadel stammend, die auch corpsstudentisch geprägt war, hatte er nahezu alle wichtigen Funktionen der Republik inne. In den 90-er Jahren, als die heimische Innenpolitik vom Aufstieg der Haider-FPÖ geprägt war, stützte er mit seiner Erfindung des „Verfassungsbogens“ die vom roten Bundeskanzler Franz Vranitzky initiierte Ausgrenzungspolitik gegen die Freiheitlichen ab.

1999/2000 wurde Khol jedoch zu einem der Hauptarchitekten der blau-schwarzen Koalition, hat diese Regierung wesentlich mitgetragen, um dann 2005 aufs falsche Pferd zu setzen. Als nämlich Jörg Haider die FPÖ gespaltet hatte, setzte er auf die orange Abspaltung und nicht auf die authentische FPÖ.

Mit der gestrigen Entscheidung der ÖVP-Gremien, ihn als Bundespräsidentenkandidaten aufzustellen, ist Khol die zweite Wahl der Schwarzen. Aber seine Nominierung ist trotzdem zu begrüßen, weil der Wunschkandidat der ÖVP, Erwin Pröll, ein ausgesprochener Großkoalitionär ist. Khol hingegen ist ein Taktiker, der natürlich auch eine blau-schwarze Bundesregierung mittragen würde. Und Österreich hätte sicher einfältigere Bundespräsidenten gehabt.

 

 

Text: A. M.
Bild Jakob Glaser/ÖVP