Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte will seinen Feldzug gegen die ausufernde Drogenkriminalität um ein halbes Jahr verlängern. Er habe erst nach seinem Amtsantritt im Juni realisiert, wie „schwerwiegend und ernst“ das Drogenproblem sei. „Selbst wenn ich es wollte, ich kann sie nicht alle töten“, sagte Duterte. Seit seinem Amtsantritt im Juni wurden nach Angaben der Polizei bei außergerichtlichen Hinrichtungen bereits mehr als 3.100 Menschen getötet. Ein Drittel davon starb bei Anti-Drogen-Einsätzen der Polizei, die anderen unter ungeklärten Umständen.

Scharfe Kritik am kompromisslosen Kampf gegen Drogenhändler kommt von der UNO und von den USA. Und als Duterte seinen US-Amtskollegen Barack Obama als „Hurensohn“ beschimpfte, füllte das die internationalen Schlagzeilen. Aber nicht nur wegen Dutertes Ausfällen sind die Beziehungen zwischen Washington und Manila getrübt, sondern auch wegen der Neuausrichtung der philippinischen Außenpolitik. „Ich werde einen neuen Kurs entwerfen, der sich an den Philippinen ausrichtet und nicht von den Vereinigten Staaten abhängig ist“, kündigte Duterte an. Sein Vorgänger, Benigno Aquino, galt hingegen als treuer Gefolgsmann Washingtons. Und die USA wussten den Gebietsstreit zwischen Manila und Peking um die Spratley-Inseln im Südchinesischen Meer für ihre eigenen Zwecke auszunutzen.

Die singapurische Zeitung „Straits Times“ kommentierte kürzlich den Kurswechsel der Philippinen folgendermaßen: Anstatt auf die Umsetzung des Schiedsspruches des UNO-Schiedsgerichtes in Den Haag vom Juli zu drängen, mit dem die Hoheitsrechte Manilas bestätigt wurden, „scheint der neue philippinische Präsident eher gewillt zu sein, den Streit auf bilateraler Basis zu lösen“.

 

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[Bild: Presidential Communications Operations Office]